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Kardinal von El Salvador sieht USA in „vorrevolutionärer Situation“

Der salvadorianische Kardinal Gregorio Rosa Chávez warnt die USA und die Europäer, der Armutsfrage in Lateinamerika durch Wegschauen oder Abschottung auszuweichen. „Das wird sich bitter rächen“, sagte der Geistliche dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montagsausgabe). Die gegenwärtige Flüchtlingskarawane in Mittelamerika sei eine Parabel, ein Gleichnis.

„Sie zeigt uns die Welt, wie sie ist, und sie zeigt uns eine Welt, von der die Menschen träumen, alle Menschen, ganz gleich, ob sie diesseits oder jenseits der Mauer zwischen Arm und Reich leben.“ Die USA unter Präsident Donald Trump sieht Chávez in einer „vorrevolutionären Situation“. Es könne sein, dass Trump noch eine Weile so weitermache. „Aber er wird selber an die Grenze kommen.“ Die Lage seines Landes, von dessen neun Millionen Bürgern mittlerweile ein Drittel im Ausland leben, bezeichnete Chávez, ein enger Mitarbeiter des 1980 ermordeten und im Oktober heiliggesprochenen Erzbischofs Óscar Romero, als dramatisch verschärft. „Es ist ein Krieg, ein Krieg ohne Unterhändler, und es ist ein Krieg `Arm gegen Arm`.“ Größtes Problem sei die Kriminalität der Jugendbanden, der sogenannten „Maras“, denen geschätzt 100.000 junge Salvadorianer angehören. Die Mordrate ist mit 108 auf 100.000 Einwohner eine der höchsten weltweit. Der EU warf Chávez vor, sich von ihren sozialen Ursprüngen entfernt zu haben: „All euer Denken, Reden und Handeln ist bestimmt vom Kapital. Ihr lebt in einem System aus Geld und Gewinn, und ihr vergesst die Menschen. Das kann nicht gutgehen.“ Es brauche einen grundlegenden Perspektivwechsel, „auch bei Ihnen in Europa, in Deutschland“. Chávez hält sich derzeit als Gast des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks „Adveniat“ in Deutschland auf. El Salvador ist ein Schwerpunktland der diesjährigen Adveniats-Weihnachtsaktion, die am kommenden Sonntag startet.

Foto: US-Flagge, über dts Nachrichtenagentur

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