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Lauterbach fordert Strategiewechsel bei Kontaktnachverfolgung

Alarmiert durch die Überforderung von immer mehr Gesundheitsämtern, hat SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach einen Strategiewechsel bei der Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten gefordert. "Ein Kontrollverlust ist nur noch abzuwenden, wenn wir sofort umsteuern: Weg von der Einzelfall-Nachverfolgung, hin zur retrospektiven Cluster-Aufarbeitung", sagte der Epidemiologe der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagausgabe). "Wenn die Ämter die Einzelfall-Nachverfolgung stoppen, wird sofort ausreichend Personal frei, um Clustermitglieder zu kontaktieren", so Lauterbach.

Das Robert-Koch-Institut müsse jetzt "endlich den Schalter umlegen". Das Verfahren sei "recht einfach", so Lauterbach und erläuterte seinen Vorschlag: "Sobald ein neuer Corona-Fall auftaucht, wird systematisch abgefragt, ob die Person in den fünf Tagen vor der Ansteckung zu einem bestimmten Zeitpunkt eng mit vielen anderen Menschen zusammen war, etwa in einer Schulklasse, bei einer Chorprobe, einer Feier, in einer Pflegeeinrichtung. Dann jagt man nicht allen Einzelkontakten der Person nach, sondern kontaktiert gezielt nur diejenigen, die an den Clustern beteiligt waren, also Mitschüler, Chormitglieder und so weiter." Die Clustermitglieder würden dann für zehn Tage in Quarantäne gebeten, aus der sie sich nach fünf Tagen freitesten lassen könnten. Aus Japan wisse man, wie das Verfahren funktioniere, sagte der SPD-Politiker. Bund, Länder und Robert-Koch-Institut wollen bislang unbedingt an der Einzelfall-Nachverfolgung festhalten, obwohl dies vielerorts nicht mehr gelingt. "Das ist meines Erachtens ein schwerer Fehler, der in die Sackgasse geführt hat. Wir sehen doch, dass das derzeitige Verfahren an immer mehr Orten kollabiert", sagte Lauterbach der NOZ. Die Ämter kämen mit Verzögerung an zu wenige Kontaktpersonen. "Es ist schlicht zu spät, um Corona mit dieser Methode noch zu bremsen." Man wisse auch längst, dass etwa sieben von zehn Infizierten niemanden ansteckten, sagte er. "Mit der gängigen Praxis werden also wertvolle Ressourcen relativ nutzlos verschwendet. Das können wir uns nicht leisten." (dts Nachrichtenagentur)

Foto: Gesundheitsamt, über dts Nachrichtenagentur

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