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Lesen verändert sich durch die Digitalisierung

Kindle, Tablet oder doch lieber ein „echtes“ Buch in die Hand nehmen und lesen? 130 Forscher weisen in einer gemeinsamen Erklärung auf den Fakt hin, dass das nicht egal ist. Selbst wenn so mancher am liebsten die Digitalisierung sofort beenden würde, so gibt es von den Forschern dafür keinen Rückenwind. Denn sie sind es, die für Behutsamkeit plädieren.

Immer weniger Menschen nehmen ein Buch in die Hand

Die Verlage lassen noch immer hochwertige Hardcoverbücher drucken, doch immer weniger Menschen nehmen diese in die Hand. Sie werfen lieber einen Blick auf ihr Smartphone oder Tablet. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie sich der Buchmarkt weiter entwickeln wird.

Zahlen lügen bekanntlich nicht oder doch? Denn ein Blick auf die Umsatzzahlen der Buchbranche in 2017 zeigt, dass es einen leichten Rückgang um 1,6 % gab und der Umsatz 9,13 Milliarden Euro betrug. Sicherlich ist das eine stolze Summe, vor allem dann, wenn ein Blick auf die Zahlen der verwandten Branchen geworfen wird:

  • Musikindustrie: 1,59 Milliarden Euro Umsatz
  • Computer- und Videospiele: 2,4 Milliarden Euro Umsatz
  • Filmwirtschaft: 2,88 Milliarden Euro Umsatz

Die Buchbranche hat somit im Langzeitvergleich, das heißt im Vergleich zur Jahrtausendwende nur einen Verlust von 1% hinzunehmen. Aber hier steckt der Teufel wie so oft im Detail. Über das Leseverhalten der Deutschen sagen diese reinen Umsatzzahlen nichts aus. Studien haben bereits bewiesen, dass die Deutschen generell weniger lesen und vor allem weniger Bücher. Genau das macht sich bei der digitalen Konkurrenz, der Unterhaltungsindustrie, bemerkbar. Denn bei dem klassischen Buch handelt es sich nur um einen kleinen Bestandteil dieser hohen Umsatzzahlen.

Buch oder lieber doch Tablet?

Viele Menschen greifen je nach Situation einmal zum Buch und beim anderen Mal zum Tabletcomputer. Beispielsweise werden zu Hause noch gedruckte Zeitungen gelesen, während auf Reisen oder unterwegs schnell der Blick aufs Smartphone fällt. Die Frage, die sich stellt, ist, ob es egal ist, ob ein Text gedruckt oder digitalisiert lesbar ist?

Momentan glaubt die Leseforschung daran nicht. Für das Verständnis und das Erinnern macht es laut der Stavanger-Erklärung einen Unterschied, ob auf dem Bildschirm oder dem Papier gelesen wird. Dies geht aus einer Metastudie hervor, für die Untersuchungen analysiert wurden, an denen insgesamt 170.000 Menschen teilgenommen haben. Das Ergebnis: Fakten die aus längeren Texten stammen, prägen sich besser ein, wenn der Text in einer gedruckten Fassung gelesen wird. Menschen sollten sich darüber bewusst sein, dass ein „rascher und wahlloser Ersatz“ von Papier und Stift nicht ohne Folgen bleibt.

Das „Lesen mit dem ganzen Körper“ ist die Ursache dafür. Und dahinter steht die Erkenntnis, dass nicht nur Auge und Gehirn eine Rolle für das Leseverständnis eine Rolle spielen, sondern auch die Körperhaltung und das haptische eines Buches. Ein Buch aus Papier kann man zurückblättern und anhand des Gewichts weiß der Leser, wie viel er noch zu lesen hat. Der Leser erinnert sich sogar oft daran, an welchem Ort auf einer Seite eine bestimmte Information zu finden ist. Auf dem Bildschirm fehlt eben diese Orientierung und das ist ein Faktor, der von den Lesern gern unterschätzt wird.

Titelflut – wie wird sich das Literaturjahr 2019 entwickeln?

Die Experten sprechen von einem guten Literaturjahr, denn es scheinen unüberschaubar viele Titel allein im deutschsprachigen Raum erscheinen: bis zu 90.000, davon ist die Rede und darunter wird sich sicherlich so manches Buch sein, dass es wert ist zu lesen.

Was kaufen die Leseratten, von diesen Neuerscheinungen? Es ist zwar kaum zu glauben, doch bei den meist verkauften Büchern handelt es sich um Hardcover Ausgaben. Eben das ist eine Erklärung dafür, warum die Zahlen nicht so stark sinken, auch wenn die Deutschen weniger Bücher lesen. Die Erklärung ist einfach: Die gebundenen Bücher sind teurer und dadurch werden die Umsatzzahlen in die Höhe getrieben, selbst wenn weniger Bücher über die Ladentheke gehen.

Die Taschenbücher hingegen befinden sich im Abwärtstrend und so leidet das einst beliebte, preiswerte Taschenbuch unter der digitalen Konkurrenz – so zumindest lautet die Meinung der Experten. Besonders gern wird mehr und mehr das unterhaltsame, kurzlebige Lesefutter digital verschlungen.

E-Book vs. Buch: Wird der Mensch immer digitaler?

Bereits seit ein paar Jahren sind die optimistischen Träume über die Zukunft des E-Books zerstoben, die vor 10 oder 15 Jahren die Branche in Aufregung versetzte. Sicherlich werden E-Books in Deutschland gelesen und gekauft. Sie haben allerdings das klassische Buch nicht verdrängt und wiesen 2017 lediglich einen Umsatzanteil von 4,6 % am Buchmarkt auf. Zwar war der Anteil höher als zuvor, doch die Wachstumskurve steigt kaum noch.

Aber dennoch, immer mehr Menschen lesen die E-Books, denn diese werden immer günstiger, wodurch letztendlich der Umsatz kaum steigt. Also was lesen die treuen Leser? Die tragende Säule in der Statistik ist die Belletristik mit 31,9 %. Zu dieser Gruppe zählt die „erzählende Literatur“, also die „ganz normalen Romane und Erzählungen“. Auf dem zweiten Platz liegen „Krimis und Spannung“ und mit weitem Abstand folgen „Comic, Cartoon, Humor und Satire“, sowie „Geschenkbücher“ und „Science-Fiction und Fantasy“.

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