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Lloyd`s-Chefin will “mehr Zeit” für Brexit

Die Chefin des Spezialversicherers Lloyd`s of London, Inga Beale, hat eine mehrjährige Übergangsphase für den Brexit gefordert. Über die Bedingungen für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union herrsche weiter große Unsicherheit, sagte Beale dem “Handelsblatt” (Montagsausgabe). “Die Bevölkerung hat noch keine feste Vorstellung, wie die Gespräche mit Brüssel ausgehen werden. Manche hoffen immer noch, dass der Prozess eines Austritts noch gestoppt werden kann”, so Beale.

Das Land sei in dieser Frage tief gespalten. Die Versicherungsbranche ist in den Augen von Beale durch den Brexit besonders gefordert. “Wir sind sehr lange Verpflichtungen für Pensionen, Policen sowie Kredite von Kunden innerhalb der EU eingegangen. Und wir müssen uns auch in Zukunft um diese Kunden kümmern.” Das gelte umgekehrt auch für Versicherer auf dem europäischen Festland. Als Konsequenz fordert Beale “eine eigene Lösung für die Versicherungsbranche”. Eingegangene Verpflichtungen müssten auch nach dem EU-Austritt Großbritanniens weiter gegenseitig anerkannt werden. “Wir brauchen einfach mehr Zeit. Wenn wir wirklich einen harten Brexit bekommen, brauchen wir eine neue Lösung für alle existierende Verträge und Verpflichtungen – und das ist eine ungeheure Aufgabe. Wir werden jedoch bis Ende März 2019 niemals einen Komplett-Transfer für alle diese Dinge hinbekommen – dafür reicht die Zeit schlicht nicht aus”, so Beale. “Wir trommeln stark für eine längere Übergangsphase von mehreren Jahren mit der EU, in der wir solche Vereinbarungen neu treffen können.” Die gravierenden Hurrikane, die 2017 die USA heimsuchten, bezeichnete Beale als schreckliche Vorfälle. Man habe jedoch sofort eingegriffen. “Wir haben bereits mehr als 600 Millionen Dollar an Betroffene ausgezahlt – allein in Texas und Florida.” Die Schäden werden laut Beale “sicher auch Einfluss auf unser Ergebnis haben. Aber Lloyd`s ist sehr stark, und wir haben hohe Reserven für solche Fälle”. Neben Naturkatastrophen sieht die Managerin, die seit 2014 Lloyd`s of London leitet, auch steigende Risiken durch Cyberangriffe. “Nach unserer Schätzung könnte ein globaler Hackerangriff bis zu 120 Milliarden Dollar kosten und die durchschnittliche Schadenshöhe, die bei einem Hack eines Cloudanbieters erreicht werden könnte, liegt bei 53 Milliarden Dollar – das ist mehr als der Hurrikan `Sandy` einst kostete”, warnte Beale.

Foto: Bank of England im Finanzviertel von London, über dts Nachrichtenagentur

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