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Milliardenklagen im Bilanzskandal von Steinhoff

Im Bilanzskandal beim Handelsriesen Steinhoff rollt eine Welle von Milliardenklagen auf den Konzern sowie Ex-Manager und Wirtschaftsprüfer zu. „Wir prüfen intensiv Schadenersatzklagen gegen verschiedene Haftungsgegner“, sagte Maximilian Weiss, Fachanwalt bei der auf Anlegerverfahren spezialisierten Tübinger Kanzlei Tilp, dem Wirtschaftsmagazin ‚Capital‘ (Ausgabe 6/2018, EVT 24. Mai). Bei den potenziellen Beklagten handele es sich sowohl um Steinhoff-Gesellschaften als auch Personen aus der Konzernspitze. Im Visier sind etwa Steinhoffs langjähriger Vorstandsvorsitzender Markus Jooste und Ex-Aufsichtsratschef Christo Wiese.

Auch die niederländische Aktionärsvereinigung VEB droht mit weiteren Klagen – darunter gegen die Commerzbank und weitere Banken, die den Steinhoff-Börsengang 2015 in Frankfurt begleitet hatten, sowie Steinhoffs Wirtschaftsprüfer Deloitte. Da Deloitte eine Haftung bestreite, prüfe man, das Unternehmen zu verklagen, teilte die VEB auf Anfrage von ‚Capital‘ mit. Steinhoff wird aus Südafrika gesteuert und ist an den Börsen in Frankfurt und Johannesburg gelistet, hat seinen juristischen Sitz aber in den Niederlanden. Dort klagt die VEB bereits gegen den Konzern.

Der Bilanzskandal bei Steinhoff war im Dezember ins Rollen gekommen. Nach bisherigen Erkenntnissen sind Bilanzwerte von mehr als sechs Mrd. Euro fraglich – insbesondere im Europageschäft. Nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Manipulationen wurden mehr als zehn Mrd. Euro Börsenwert vernichtet.

Bereits im Dezember hatte die Kanzlei Tilp eine erste Musterklage in Deutschland gegen die Konzernholding eingereicht. Neben Kleinanlegern hätten auch institutionelle Investoren vor allem aus Südafrika und den USA signalisiert, sich einer Klage anzuschließen, sagte Anwalt Weiss. Als Gerichtsstand für weitere Verfahren kommen unter anderem die Niederlande und Südafrika infrage. Auch Tilp prüft Ansprüche gegen Steinhoffs langjährigen Konzernabschlussprüfer Deloitte.

Wegen der Unregelmäßigkeiten in Europa könnten zudem die beiden deutschen Prüffirmen Commerzial Treuhand (CT) aus Oldenburg und Rödl & Partner Probleme bekommen. Die CT-Gruppe hatte jahrelang die Bilanzen mehrerer deutscher Töchter des Steinhoff-Konzerns testiert. Rödl & Partner war Abschlussprüfer von Steinhoffs Europa-Holding. Beide Firmen verwiesen auf Anfrage auf ihre gesetzlichen Verschwiegenheitspflichten. Tilp-Anwalt Weiss sagte, eine Klage gegen weitere Prüfgesellschaften neben Deloitte zeichne sich derzeit nicht ab, sei aber grundsätzlich denkbar.

Quelle: Capital

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