Nachhaltigkeit: Rosenheim zeigt, wie es geht

Nachhaltigkeit: Rosenheim zeigt, wie es geht

Rosenheim – Tatsache ist, dass die Energierohstoffe knapper werden. Und Tatsache ist auch, dass die Emissionswerte steigen. Klimaveränderung und Erderwärmung sind längst nicht mehr nur Schlagworte. Ein Umdenkprozess ist notwendig geworden. Rosenheim zeigt vor, wie es gehen könnte. „In weniger als fünfzehn Jahren soll die Energieversorgung für Rosenheim – den Straßenverkehr ausgenommen – unserem Klima nicht mehr schaden. Um das zu erreichen, verringern wir erstens den CO2-Ausstoß in Rosenheim, etwa durch den Ausbau der klimaschonenden Fernwärme. Zweitens wollen wir klimafreundlichen Strom selbst produzieren und damit vor allem Kapazitäten von veralteten deutschen Steinkohlemeilern ersetzen. Der Restausstoß an CO2 in Rosenheim wird dabei durch die Reduzierung von Kohleverstromung in Deutschland ausgeglichen“, erklärte Dr. Götz Brühl, Geschäftsführer der Stadtwerke Rosenheim.

Kraft-Wärme-Kopplung

Das Energiekonzept der Stadt Rosenheim beruht auf der Kraft-Wärme-Kopplung. Es wird Strom und Wärme produziert. Das Müllheizwerk Rosenheim zeichnet sich durch deutliche Energieersparnisse und einen geringeren Schadstoffausstoß aus. Grund dafür ist die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme. Jährlich werden in dem Werk 60.000 Tonnen Haus- und Gewerbemüll verbrannt und in Strom, Prozessdampf und Fernwärme umgewandelt. Bei der Verbrennung entsteht Wärme, sie wird zur Dampferzeugung genutzt. Der Dampf wiederum treibt eine Turbine an. Dabei entsteht neuerlich Wärme, durch die Wasser erhitzt wird. Das heiße Wasser gelangt in den Fernwärmerohren zu den einzelnen Verbrauchern. Im Müllheizwerk Rosenheim sind Gasmotoren zur Energiegewinnung installiert, die eine sehr hohe Leistung bringen. Durch sie wird mit einem Wirkungsgrad von 43 Prozent Strom erzeugt. Bei der Stromerzeugung entsteht ebenfalls Wärme. Auch sie wird für die Wassererhitzung genutzt. Die Gasmotoren lassen sich sehr rasch hochfahren, sodass bei einer Knappheit keine zeitliche Lücke entsteht.

„Brauchen messbare Werte im Klimaschutz“

Für Brühl steht fest, dass sich eine Kommune mit 61.000 Einwohnern keine symbolischen Aktivitäten leisten könne. Die Kommune brauche messbare Werte im Klimaschutz, sagt er. Messbar ist für ihn die Erreichung des Ziels, bis 2025 Rosenheim neutral mit Strom und Wärme zu versorgen. Die Stadt Rosenheim verfügt im Gegensatz zu anderen deutschen Städten über einen historischen Vorteil. Hier wurde bereits mit dem Aufbau von einem Fernwärmenetz in den 1950er Jahren begonnen. 1964 wurde die Müllverbrennung zur Erwärmung genutzt. Wärmespeicher sind seit 2004 in Betrieb. Im Zuge der Energiewende konzentriert sich Rosenheim auch auf die Stromspeicherung. Brühl erklärt, warum er in dem Prinzip Vorteile sieht: „Er erlaubt es uns, eine ausgleichende Rolle im neuen Energiemarkt einzunehmen, technisch und wirtschaftlich. Wenn wir allerdings ausschließlich auf dieselben Strategien setzen würden wie alle anderen – Photovoltaik und Windstrom – müssten wir dann produzieren, wenn alle ihren Strom am Markt anbieten und kaufen, wenn alle nachfragen. Unser Ansatz dagegen erlaubt uns, das Netz zu stabilisieren und verlässliche Energiepreise zu bieten.“

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