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Rotes Kreuz und Arbeiter-Samariter-Bund kündigen Verträge mit Krankenkassen

Wien - In Österreich funktioniert das Rettungs- und Krankentransportwesen in erster Linie durch die ehrenamtliche Tätigkeit tausender Freiwilliger. Das Transportwesen im Krankheits- oder Notfall könnte in der bestehenden Form auf anderen Wegen nicht finanziert werden. Verträge mit den Krankenkassen regeln dabei die Tarife für das Rote Kreuz und den Samariterbund. Doch die Tarife sind veraltet und stellen die Rettungsorganisationen vor finanzielle Probleme. Selbst Liquiditätsengpässe wären möglich, hieß es. Die bestehenden Verträge laufen mit Jahresende aus, doch eine Erhöhung der Tarife konnte nicht erreicht werden. Von einer Einigung sind Krankenkassen und Rettungsorganisationen weit entfernt.

Konsequenzen gezogen

Nun haben das Rote Kreuz und der Arbeiter-Samariter-Bund die Konsequenzen gezogen und die Verträge mit den Krankenkassen gekündigt. Durch diesen Schritt wurde eine automatische Verlängerung der Verträge verhindert. In Gesamtösterreich werden vom Roten Kreuz jährlich 737.200 Einsätze gefahren, vom Arbeiter-Samariter-Bund 122.200. Bei jedem Einsatz, bei jedem Krankentransport entstehen Kosten, selbst wenn sie, wie an den Wochenenden und in der Nacht von freiwilligen Sanitätern durchgeführt werden. Die Tarife in den bestehenden Verträgen stammen aus dem Jahr 2005 und wurden nie wertangepasst. Seither sind die Betriebskosten und die Treibstoffpreise enorm gestiegen. Allein der Dieselpreis liegt um rund 61 Prozent höher als 2005. Die Rettungsorganisationen können die Kosten durch die Tarife aus dem Jahr 2005 nicht abdecken. Der Verbraucherpreisindex liegt gegenwärtig um 18,8 Prozent über dem Wert von 2005. Die Rettungsorganisationen fordern eine Anpassung.

„Wollen Dienstleistungen aufrechterhalten“

„Unser Ziel ist es, die Dienstleistungen im Sinne unserer Patienten aufrecht zuerhalten“, erklären die Präsidenten der Rettungsorganisationen. Und Willi Sauer vom Roten Kreuz ergänzt: „Wir haben diesen Schritt gesetzt, um uns weitere Verhandlungsmöglichkeiten zu schaffen.“ Otto Pendl vom Samariterbund erklärt: „Seitens der Krankenkassen wurde zwar Gesprächsbereitschaft signalisiert, wir sind aber noch sehr weit von unserem Ziel entfernt und brauchen Zeit für die Verhandlungen.“ Grundsätzlich hatten sich Josef Weinhofer vom Roten Kreuz und Josef Pesserl von der Gebietskrankenkasse zuvor auf einen Kompromiss geeinigt. Rückwirkend für 2012 und für die folgenden beiden Jahre sollen die Tarife um 4 Prozent erhöht werden. Nun verlangt jedoch die Krankenkasse eine schrittweise Einsparung von 100.000 Fahrten bis 2016. Das Rote Kreuz ist empört: „Wir verschreiben uns ja die Fahrten nicht selbst, das sind die Ärzte.“ Pesserl geht dennoch davon aus, dass die Verträge in den nächsten Wochen unterzeichnet werden. Er selbst, inzwischen Präsident der Arbeiterkammer, möchte, wie er betont, seinen Nachfolgern bei der Krankenkasse keine Baustelle hinterlassen. Foto: © Goran

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