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Deutsche Bank in Frankfurt

Rückzug in China, Kommentar zur Deutschen Bank von Bernd Neubacher

Deutsche-Bank-Frankfurt Rückzug in China, Kommentar zur Deutschen Bank von Bernd Neubacher
Wer in den vergangenen Jahren die Rhetorik der Deutschen Bank zum Kauf und nun geplanten Verkauf der Postbank verfolgt hat, dürfte im Zuge des Rückzugs aus der chinesischen Hua Xia Bank nun sein Déjà-vu-Erlebnis haben: Beide Male pries das Management die jeweilige Investition in den höchsten Tönen, nur um später den Stecker zu ziehen. Von der “Speerspitze unserer China-Strategie”, wie die Bank ihre Beteiligung an der Hua Xia Bank 2010 nannte, dürfte Mitte 2016, wenn der Abschluss der Veräußerung geplant ist, ebenso wenig übrig sein wie von der “Erfolgsgeschichte im Privatkundengeschäft”, die das Institut bei Übernahme der Postbank angekündigt hatte. Beeilt sich Co-Chef John Cryan deshalb zu versichern, China bleibe “auch künftig ein wesentlicher Wachstumsmarkt für uns”?

Fest steht, dass das Institut mit dem Rückzug aus der Hua Xia Bank manche Chance in einem interessanten Auslandsmarkt preisgibt. Nicht ohne Grund ist der Aktienkurs von Hua Xia seit Anfang 2011 in fünf Jahren um rund zwei Drittel geklettert – während jener der auf einen Jahresverlust zusteuernden Deutschen Bank um rund 40% in die Tiefe rauschte, obwohl aus den in die Hua Xia Bank gesteckten 1,3 Mrd. Euro im Laufe der Jahre ein Buchwert von bis zu 3,7 Mrd. Euro erwuchs. Die Wahrheit ist: Angesichts ihrer nach wie vor sparsamen Kapitaldecke und der Notwendigkeit hoher Investitionen in IT und Infrastruktur kann sich die Bank ihre bisherige Präsenz in Fernost nicht mehr leisten. Die harte Kernkapitalquote des Instituts liegt, volle Umsetzung von Basel III unterstellt, bei 11,5%. Die EZB hatte dem Management schon Anfang 2015, allerdings auf Basis der Übergangsregelungen, mindestens 10% verordnet, und zuletzt fiel die Vorgabe deutlich strenger aus als von der Bank erwartet. Derweil stehen Einigungen – sprich: Zahlungen – in diversen Rechtsstreitigkeiten noch aus, auch in der sich ausweitenden Geldwäsche-Affäre.

Nur als defensives Manöver hat, ebenso wie die Veräußerung der Postbank, der Rückzug in China Sinn: Die gewichtete Kapitalquote steigt, der Verkauf eines Fünftels an einer Bank mit Aktiva von umgerechnet knapp 270 Mrd. Euro tut auch der Leverage Ratio gut, und je nach Wechsel- und Aktienkurs zum Abschluss der Transaktion springen sogar die gut 600 Mill. Euro heraus, die im dritten Quartal auf den Anteil abgeschrieben wurden. Im Falle der Postbank wird dies weitaus schwieriger werden, und dies nicht nur, weil die Abschreibungen dort zuletzt höher ausgefallen sein dürften.

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