Saul Friedländer kritisiert „Mein Kampf“-Edition

Saul Friedländer, israelischer Historiker, kritisiert das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) scharf für dessen wissenschaftliche Edition von Hitlers „Mein Kampf“. Das berichtet der „Spiegel“. Die IfZ-Historiker hätten durch ihre umfangreichen Anmerkungen eine „Exegese“ des Buches betrieben, so Friedländer.

Das sei eine „törichte Arbeit“. Schließlich habe Hitler gemeint, was er schrieb. „Mein Kampf“ sei entsprechend von vielen „überaus ernst genommen worden“. Es sei „grotesk“, ein Werk auszulegen, das „viele Opas und Omas zur Hochzeit geschenkt erhielten und das noch immer auf deutschen Dachböden lagert“. Friedländer moniert zudem die Gestaltung des IfZ-Bestsellers als „verführerisch“ („zwei prachtvolle Bände“) und spottet über den Anmerkungsapparat: Nun wisse er, dass in der Ausgabe von 1944 „Totenkranz“ durch „Totentanz“ ersetzt worden sei.

Friedländer, der Auschwitz-Überlebender ist, zählt zu den weltweit führenden Holocaust-Experten; er ist Träger des Pulitzerpreises und des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Besonders irritiert ihn der Verkaufserfolg. „Warum gibt es in der Bundesrepublik das unstillbare Bedürfnis nach `Mein Kampf‘?“ Das IfZ hat bislang 89.000 Exemplare verkauft. Friedländers Kritik findet sich im neuen Buch des Londoner IfZ-Kritikers Jeremy Adler „Das absolut Böse“, erschienen im Donat Verlag.

Foto: Adolf Hitler, über dts Nachrichtenagentur

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert