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SPIEGEL, Stern & Focus: Einzelverkauf bricht weiter ein

Nicht nur Tageszeitungen, sondern auch die wöchentlich erscheinenden Nachrichtenmagazine SPIEGEL, Stern und Focus bekommen den scharfen Wind zu spüren, der gegenwärtig in der Medienlandschaft weht. Die Talfahrt der großen Drei unter den Nachrichtenmagazinen scheint derzeit kaum aufzuhalten. Besonders auffällig ist diese Tendenz bei den freien Verkäufen an den Zeitungskiosken zu spüren. Im ersten Quartal 2013 erreichten die Kiosk-Verkäufe aller drei Magazine einen absoluten Tiefpunkt.

Der Niedergang der Printmedien: ein Dauerthema?

Die Themen Zeitungssterben und Rückgang der Auflagenzahlen der deutschen Printmedien beschäftigen uns auch auf wirtschaft.com immer wieder. Auffällig ist dabei, dass es nicht nur die kleineren regionalen Blätter trifft, sondern auch zunehmend die renommierten, überregionalen Zeitungen, wie die Beispiele Frankfurter Rundschau oder die Financial Times Deutschland belegen. Unter der Überschrift „Tageszeitungen – Ein Wirtschaftszweig im freien Fall?“, auf Wirtschaft .com erschienen, hat der Autor den Auflagenrückgang dieser beiden Blätter, sowie die Entscheidung der FTD, ihr tägliches Erscheinen einzustellen, näher beleuchtet.

Kiosk-Verkäufe der Nachrichtenmagazine im freien Fall?

Einige Statistiken – so auch die beigefügte Auswertung – haben sich die Entwicklung der bekanntesten Nachrichtenmagazine in Deutschland zum Gegenstand genommen. Unsere Infografik, die auf aktuellen Daten der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) basiert, zeigt die Trends der durchschnittlichen Einzelverkäufe pro Ausgabe (ohne Abonnenten) innerhalb der letzten zehn Jahre. Hieraus ist ersichtlich, dass sich die Verkäufe in den fünf Jahren von 2003 bis einschließlich 2008 auf einem gleichbleibenden Niveau bewegten, wobei im Krisenjahr 2008 sogar noch ein leichter Anstieg zu verzeichnen war. Danach gingen die Verkaufszahlen aller drei Magazine kontinuierlich nach unten.

Allein der SPIEGEL hat mit 280.000 in diesem Jahr am Kiosk pro Ausgabe verkauften Exemplaren gegenüber 437.000 Exemplaren im Jahr 2008 einen Rückgang von 36% zu verzeichnen. Ebenso geht es dem Stern als Flaggschiff aus dem Hause Gruner + Jahr, dessen Kioskverkäufe von 400.000 auf 230.000 um zirka 40% innerhalb der letzten fünf Jahre sanken. Noch eklatanter stellt sich der Rückgang beim Focus dar, der zuletzt nur noch 88.000 Exemplare im freien Verkauf umsetzen konnte und somit sogar 48% Verlust an Lesern, die die Zeitschrift am Kiosk kaufen, zu beklagen hat. Und mit Blick auf die bisher von der IVW veröffentlichten Zahlen wird deutlich: die Kiosk-Krise der Nachrichtenmagazine dürfte sich 2013 weiter zuspitzen.

Vielfältige Ursachen der Auflagenrückgänge

Die Frage nach den Ursachen wird vielfach gestellt, doch derzeit kaum erschöpfend geklärt. Sicher ist, dass es ein Zusammenspiel vieler Faktoren ist, wobei auch die Themenwahl und deren Darstellung als möglicher Grund genannt werden. Einer der Faktoren dürfte die Vielzahl der verfügbaren Medien im Printbereich sein. Laut Aussage des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) wurden im Jahr 2012 mehr als 1.500 verschiedene Zeitungen und Zeitschriften publiziert. Noch vor 15 Jahren umfasste der Markt lediglich 1.000 Publikumszeitschriften. Weiterhin wird mit einer Verschiebung der Kiosk-Verkäufe zugunsten von Abonnements argumentiert, doch sinkende Gesamtauflagen wie das Beispiels Stern gerade zeigt, weisen in eine andere Richtung. Von einst zirka 1,1 Millionen Exemplaren des Stern im Jahr 2003, sank die Auflage bis zum vierten Quartal 2012 auf nur noch 865.000 Zeitschriften. Ein Auflagenverlust von rund einem Fünftel.

Weiterhin wird die Zunahme der Online-Portale, die sich mit ähnlichen Schwerpunkten wie SPIEGEL, Stern oder Focus befassen, ins Feld geführt. Immer mehr Online-Magazine liefern komplexe politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Analysen, beleuchten größere Zusammenhänge und liefern gut recherchierte Hintergrundinformationen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Den großen Drei hingegen gelingt es nicht, Online- und Offline-Ausgaben sinnvoll miteinander zu verzahnen.

Der SPIEGEL will dieses Problem jetzt mit einer neuen Strategie angehen. Hier waren die Querelen zwischen Online- und Offline-Redaktion zunehmend in die Kritik geraten. Der neue Chefredakteur Wolfgang Büchner, der die bisherige Doppelspitze aus zwei Chefredakteuren, Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo ablöst, soll nun die Wende einläuten und mit dazu beitragen, beide Bereiche sinnvoll zu kombinieren.

Auch der Focus, der sich selbst als Medium der Macher und Gestalter versteht, muss hilflos zusehen, wie seine Zielgruppe zunehmend in die Online-Welt abwandert. Die redaktionelle Zielstellung des Magazins, mit kürzeren Texten und von zahlreichen Grafiken, Bildern und Rankinglisten unterlegten Informationen, die schnell zu rezipieren sind, den Zeitgeist zu treffen, wird zunehmend von Online-Anbietern bedient, die vielfach sogar noch schneller „liefern“ können. Auch beim Focus gilt es also, den Fokus verstärkt auf eine bessere Kombination beider Bereiche zu legen.

Grafik: © Statista

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