Stimmung bei VW-Mitarbeitern in Emden angespannt – Video

Stimmung bei VW-Mitarbeitern in Emden angespannt - Video


In Emden, einer kleinen ostfriesischen Stadt an der Nordseeküste, befindet sich eines der Werke des Automobilkonzerns Volkswagen. Etwa 50.000 Menschen leben in Emden, und rund 8.000 von ihnen arbeiten bei Volkswagen. Für viele Emdener ist VW nicht nur ein Arbeitgeber, sondern auch der Dreh- und Angelpunkt ihrer Existenz. Die Stimmung unter den Beschäftigten ist angespannt, denn das Unternehmen befindet sich in einer Krise.

Die Abhängigkeit von VW

Emden ist in vielerlei Hinsicht stark von Volkswagen abhängig. Nicht nur, dass ein Großteil der Einwohner beim Autobauer beschäftigt ist, auch die lokale Wirtschaft profitiert in hohem Maße von den Aktivitäten des Konzerns. Supermärkte, Restaurants, Einzelhandelsgeschäfte – sie alle verzeichnen einen großen Teil ihres Umsatzes durch die Mitarbeiter von VW. Sollte das Werk in Emden Produktionseinschränkungen oder gar Entlassungen vornehmen müssen, würde das die ganze Stadt hart treffen.

„Für viele Emdener ist Volkswagen der einzige Arbeitgeber, den sie kennen“, erklärt Peter Müller, Vorsitzender der Gewerkschaft IG Metall in Emden. „Die Leute haben ihre ganze Existenz darauf ausgerichtet und wissen nicht, was sie tun sollen, wenn plötzlich die Arbeitsplätze wegfallen.“ Viele Familien in Emden haben über Generationen hinweg Angehörige bei VW beschäftigt. Der Konzern ist fest in der Identität der Stadt verankert.

Unsichere Zeiten für die Belegschaft

Aktuell herrscht bei den VW-Mitarbeitern in Emden große Unsicherheit. Der Autobauer kämpft konzernweit mit den Folgen des Dieselskandals, rückläufigen Absatzzahlen und der Transformation hin zur Elektromobilität. In Emden stehen einschneidende Veränderungen bevor. „Wir wissen nicht, wie es weitergehen wird“, sagt Werksmitarbeiter Thomas Becker. „Wird die Produktion heruntergefahren? Werden Stellen abgebaut? Das sind Fragen, die uns alle sehr beunruhigen.“

Hinzu kommt, dass VW in Emden stark auf die Produktion von Verbrennungsmotoren ausgerichtet ist. Mit dem Wandel zur E-Mobilität könnte ein Großteil dieser Arbeitsplätze wegfallen. „Viele Kollegen machen sich Sorgen, dass sie ihre Jobs verlieren könnten“, berichtet Becker. „Sie wissen nicht, ob sie sich für eine Umschulung oder Weiterbildung entscheiden sollen, um für die Zukunft gewappnet zu sein.“

Angst vor den Folgen für Emden

Die Unsicherheit unter den VW-Mitarbeitern in Emden überträgt sich auch auf die Gesamtbevölkerung der Stadt. Denn ein Rückgang der Produktion oder gar Werkschließungen hätten massive Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft. „Wenn VW Probleme hat, dann hat Emden Probleme“, sagt Bürgermeisterin Saskia Ohnemus. „Viele Unternehmen in der Stadt sind auf die Kaufkraft und den Konsum der VW-Mitarbeiter angewiesen. Ein Wegbrechen dieser Einnahmen wäre für sie existenzbedrohend.“

Ohnemus betont, dass die Stadt Emden schon in der Vergangenheit Erfahrung mit Krisen bei Volkswagen gemacht habe. In den 1970er und 1980er Jahren musste der Konzern in Emden mehrfach die Produktion drosseln und Stellen abbauen. „Damals haben wir gesehen, wie sich die Arbeitslosigkeit und der soziale Abstieg in der Stadt ausgebreitet haben“, erinnert sich die Bürgermeisterin. „Das wollen wir auf keinen Fall nochmal erleben.“

Bemühungen um Diversifizierung

Um die Abhängigkeit von Volkswagen zu reduzieren, haben die Verantwortlichen in Emden in den letzten Jahren versucht, die Wirtschaftsstruktur der Stadt zu diversifizieren. Es wurden Förderprogramme aufgelegt, um neue Unternehmen in Emden anzusiedeln und die bestehenden beim Strukturwandel zu unterstützen. Schwerpunkte liegen dabei auf Branchen wie Erneuerbare Energien, Logistik und Tourismus.

„Wir wollen nicht, dass Emden nur noch vom VW-Werk lebt“, erklärt Bürgermeisterin Ohnemus. „Deshalb versuchen wir, andere Standbeine für die Wirtschaft zu schaffen und die Abhängigkeit vom Autobauer schrittweise zu reduzieren.“ Allerdings sei der Strukturwandel ein langwieriger Prozess, der noch einige Jahre in Anspruch nehmen werde. In der Zwischenzeit bleibt die Angst vor den Folgen einer Krise bei Volkswagen für viele Emdener allgegenwärtig.

Forderungen an VW und die Politik

Angesichts der angespannten Situation fordern die VW-Mitarbeiter in Emden ein klares Bekenntnis und Engagement von Seiten des Konzerns. „Volkswagen muss endlich Klarheit darüber schaffen, wie es mit dem Standort Emden weitergehen soll“, betont Gewerkschaftschef Müller. „Die Belegschaft braucht Zusagen für den Erhalt der Arbeitsplätze und Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Werks.“

Auch die politischen Verantwortlichen in der Stadt und auf Landesebene sehen sich in der Pflicht, die Menschen in Emden in dieser schwierigen Situation nicht alleine zu lassen. „Wir müssen alles daran setzen, dass Emden auch in Zukunft ein starker Industriestandort bleibt“, sagt Ministerpräsident Stephan Weil. „Dafür braucht es die Unterstützung des Landes und des Bundes, damit die notwendigen Strukturveränderungen gelingen können.“

Hoffnung auf eine positive Zukunft

Trotz der aktuellen Sorgen und Ängste blicken viele Emdener auch mit Zuversicht in die Zukunft. Sie hoffen, dass Volkswagen und die Politik die richtigen Weichen stellen werden, um den Standort Emden zu erhalten und für die Herausforderungen der Transformation zu rüsten.

„Wir wollen, dass Emden auch in 20 oder 30 Jahren noch ein wichtiger Industriestandort ist“, betont Bürgermeisterin Ohnemus. „Dafür müssen jetzt die Weichen gestellt werden – für den Erhalt von Arbeitsplätzen, aber auch für die Ansiedlung neuer, zukunftsfähiger Unternehmen.“ Nur so könne die Abhängigkeit von Volkswagen schrittweise abgebaut und eine positive Entwicklung für die ganze Stadt eingeleitet werden.

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