Thüringer Konjunktur bleibt im Aufwärtstrend

Die Unternehmen präsentieren sich derzeit in einer hervorragenden Verfassung: die Auftragsbücher sind gefüllt, Kapazitäten weitgehend ausgelastet, Umsatz und Ertrag liegen im Plus. Im Ergebnis der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt erreicht der Klimaindex, der sowohl die aktuelle wirtschaftliche Lage als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, 110 von 200 möglichen Prozentpunkten und stabilisiert sich damit auf hohem Niveau. Der Blick auf die kommenden Monate bereitet den Unternehmern jedoch einige Sorgen. Für die rund 900 befragten Betriebe in Nord- und Mittelthüringen ist dauerhaftes Wachstum längst kein Selbstläufer. Die Liste der geopolitischen Krisenherde wird immer länger, die Lage im Euroraum bleibt angespannt und auch im Inland sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht optimal.
„Wir bewegen uns derzeit noch in einer konjunkturellen Komfortzone. Der günstige Ölpreis, der niedrige Wechselkurs des Euro zum Dollar und das anhaltende Zinstief kurbeln den Konsum sowie die Exporte an und sorgen für positive Unternehmensdaten“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Immerhin beurteilten branchenübergreifend 88 Prozent der Firmenchefs ihre aktuelle Geschäftslage gut bis befriedigend – so positiv wie seit zwei Jahren nicht mehr. Stabile Auftragseingänge und gut ausgelastete Kapazitäten sorgten für eine zufriedenstellende Ertragslage. Inzwischen würden 84 Prozent der Betriebe schwarze Zahlen schreiben. Trotz derzeit guter Stimmung nehme aber beim Blick auf die kommenden Monate die Skepsis zu.
„Schließlich können sich die günstigen Vorzeichen auch sehr schnell wieder ändern“, warnt Grusser vor falschen politischen Weichenstellungen. Mindestlohn oder Rente mit 63 hätten die Arbeitskosten bereits in die Höhe getrieben. Hinzu kämen wachsende bürokratische Belastungen. Das enge die finanziellen Spielräume der Firmen immer mehr ein. So rechneten nur noch 16 Prozent der Befragten künftig mit einer Verbesserung der Situation, 23 Prozent seien eher pessimistisch. „Damit fehlt auch weiterhin der nötige Schwung bei den Investitionen. Ohne Optimismus werden aber keine Neuanschaffungen getätigt“, gibt der IHK-Chef zu bedenken. So wollten immerhin 14 Prozent der Unternehmer ihr Budget kürzen, jeder fünfte gar nicht investieren. Dies habe bisher noch keine negativen Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt.
„Die Beschäftigungspläne der Betriebe für die nächsten Monate bleiben stabil“, berichtet der IHK-Hauptgeschäftsführer. 83 Prozent der Unternehmen wollten ihre Beschäftigtenzahl erhöhen oder zumindest beibehalten.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Wichtigste konjunkturelle Stütze bleibt die Industrie. In 37 Prozent der Unternehmen laufen die Geschäfte gut. Zwei von drei Managern lasten die Kapazitäten zu mehr als 80 Prozent aus. Entsprechend positiv stellt sich die Ertragslage dar: Fast die Hälfte der Befragten arbeitet inzwischen mit Gewinn. Auch künftig werden die Industriefirmen der Schrittmacher der konjunkturellen Entwicklung bleiben, wobei die Erwartungen bei den exportorientierten Betrieben etwas vorsichtiger ausfallen. Angesichts der globalen Rahmenbedingungen ist es wenig verwunderlich, dass nur 15 Prozent der Befragten mit einem Anstieg der Ausfuhren rechnen.
Im Einzelhandel hat sich die Stimmung etwas abgekühlt. Die derzeitige Kauflaune der Verbraucher lässt die Kassen im stationären Einzelhandel nur bedingt klingeln. Daher schätzen lediglich 13 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage gut ein. Doppelt so viele urteilen negativ. Ein erheblicher Teil der zusätzlichen Konsumausgaben fließt derzeit nicht in den Einzelhandel, sondern in andere Branchen wie etwa Reise und Telekommunikation. Deshalb erwarten lediglich neun Prozent eine Verbesserung ihrer Situation. Im Gegenzug rechnen aber 35 Prozent mit einer Verschlechterung.
Die Situation im Dienstleistungssektor ist weiterhin positiv. Mehr als die Hälfte aller Befragten bewertet die aktuelle Situation als gut, nur drei Prozent sind unzufrieden. Jeder vierte Unternehmer gibt an, dass seine Umsätze gestiegen sind. Auch der Blick in die Zukunft ist optimistisch. 84 Prozent erwarten eine bessere oder gleichbleibend gute Geschäftslage.
Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers: „Noch läuft der Konjunkturmotor rund. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass zahlreiche nationale und globale Risiken existieren, die sehr schnell zu einem Stottern des Motors führen können. Neue oder zusätzliche Wachstumsimpulse sind derzeit nicht in Sicht. Belastend wirken die gestiegenen Arbeitskosten genauso, wie die immer noch zu schwachen Investitionen oder die im Vergleich mit anderen Ländern hohen Energiepreise. Zu den konjunkturellen Folgen des ungebremsten Flüchtlingszustroms gibt es zwar erste Prognosen, die auf der einen Seite einen erhöhten Binnenkonsum durch die Versorgung der Asylbewerber vorhersagen, auf der anderen Seite aber auch enorm steigende Sozialleistungen befürchten lassen. Für genauere Aussagen ist es allerdings noch zu früh.“

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