Trump will noch vor Amtsantritt für Waffenruhe im Nahen Osten sorgen

Trump will noch vor Amtsantritt für Waffenruhe im Nahen Osten sorgen


Der künftige US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, noch vor seinem offiziellen Amtsantritt im Januar 2017 eine Vermittlerrolle im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen übernehmen zu wollen. Sein Ziel ist es, eine Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien zu erreichen, um so die Gewalt in der Region zu beenden.

Trumps Motivation für sein frühzeitiges Engagement im Nahen Osten ist vielfältig. Zum einen möchte er bereits vor seinem Amtsantritt seinen Führungsanspruch in der Weltpolitik unterstreichen und zeigen, dass er auch in sensiblen geopolitischen Fragen gestaltend eingreifen kann. Darüber hinaus dürfte Trump hoffen, mit einer erfolgreichen Vermittlung im Gazakonflikt seinen außenpolitischen Handlungsspielraum als künftiger Präsident zu erweitern und sich international als Friedensstifter zu positionieren.

Herausforderungen für Trumps Nahostpolitik

Trumps Vorstoß zur Befriedung des Gazakonflikts ist allerdings mit erheblichen Hürden verbunden. Als Politneuling in den internationalen Beziehungen fehlt ihm zunächst die Erfahrung in komplexen Friedensmissionen. Zudem ist unklar, ob er die notwendige Autorität und Überzeugungskraft besitzt, um die verfeindeten Parteien an einen Verhandlungstisch zu bringen. Hinzu kommt, dass Trumps angekündigte Nahostpolitik bislang eher auf Konfrontation denn auf Vermittlung ausgerichtet war.

So hatte Trump im Wahlkampf etwa angekündigt, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen – ein symbolträchtiger Schritt, der die Palästinenser massiv provozieren und den ohnehin fragilen Friedensprozess weiter belasten würde. Auch Trumps Ankündigung, die Vereinbarungen zum iranischen Atomabkommen zu überprüfen, dürfte das Misstrauen der arabischen Welt gegenüber den USA verstärken. Ob Trump also tatsächlich die Rolle des neutralen Vermittlers einnehmen kann, bleibt abzuwarten.

Trumps Nahostpolitik im Spannungsfeld rivalisierender Interessen

Trumps Bemühungen um eine Waffenruhe im Gazastreifen stehen auch im Kontext seiner geplanten Neuausrichtung der US-Außenpolitik. Im Wahlkampf hatte Trump angekündigt, die traditionelle Rolle der USA als „Weltpolizist“ beenden und stattdessen eine „America First“-Strategie verfolgen zu wollen. Das bedeutet, dass die USA künftig ihre eigenen nationalen Interessen stärker in den Vordergrund rücken und sich aus vermeintlich aussichtslosen Konflikten wie jenem im Nahen Osten weitgehend heraushalten wollen.

Gleichzeitig will Trump aber auch den Einfluss rivalisierender Mächte wie Russland oder den Iran in der Region begrenzen. Dafür benötigt er zumindest eine gewisse Stabilität in den Krisenherden, um nicht die Kontrolle an andere Akteure zu verlieren. Trumps Friedensinitiative im Gazastreifen lässt sich also auch als Versuch deuten, einen Interessenausgleich zwischen den verschiedenen Akteuren im Nahen Osten zu finden, ohne sich selbst dauerhaft zu stark zu engagieren.

Die Rolle der etablierten Akteure im Nahostkonflikt

Trumps Vorstoß zur Vermittlung im Gazakonflikt findet auch vor dem Hintergrund der Außenpolitik des scheidenden Präsidenten Barack Obama statt. Obama hatte in seiner Amtszeit versucht, die USA aus den festgefahrenen Nahostkonflikten herauszuhalten und stattdessen auf eine Eindämmung des Einflusses rivalisierender Mächte wie Russland oder den Iran zu setzen. Dieser Ansatz war jedoch nicht von Erfolg gekrönt.

Gerade im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist es Obama nicht gelungen, einen Friedensprozess wiederzubeleben. Stattdessen hat sich die Lage vor allem im Gazastreifen weiter verschärft. Trumps Friedensinitiative kann daher auch als Versuch gewertet werden, die gescheiterte Nahostpolitik seines Vorgängers zu korrigieren und neue Impulse in den festgefahrenen Konflikt zu bringen.

Allerdings stehen Trumps Bemühungen auch im Widerspruch zu den Interessen wichtiger Verbündeter der USA in der Region. So dürfte Israel, der engste Verbündete der USA im Nahen Osten, mit Skepsis auf Trumps Vermittlungsversuche blicken. Schließlich sieht sich die israelische Regierung im Gazakonflikt als Opfer palästinensischer Gewalt und ist nicht gewillt, Zugeständnisse zu machen.

Auch andere Regionalmächte wie Saudi-Arabien oder Ägypten, die traditionell eine wichtige Rolle im Nahostkonflikt spielen, könnten Trumps Alleingänge als Bedrohung ihrer eigenen Interessen wahrnehmen. Sie dürften daher eher versuchen, den künftigen US-Präsidenten von seinem Kurs abzubringen, als ihn bei seinen Vermittlungsbemühungen zu unterstützen.

Trumps Vermittlungsrolle im Licht der internationalen Gemeinschaft

Trumps frühzeitiges Engagement im Gazakonflikt dürfte auch in der internationalen Gemeinschaft auf gemischte Reaktionen stoßen. Einerseits könnte seine Initiative von manchen Beobachtern als konstruktiver Schritt zur Deeskalation der Lage in der Region begrüßt werden. Andererseits könnte Trumps Alleingänge ohne Rücksprache mit den etablierten Akteuren wie den Vereinten Nationen oder der Europäischen Union auch auf Kritik stoßen.

Gerade die Europäische Union, die sich traditionell als wichtiger Vermittler im Nahostkonflikt versteht, dürfte Trumps Vorstoß mit Argwohn betrachten. Schließlich könnte Trumps Engagement den ohnehin schon schwierigen Friedensprozess weiter verkomplizieren und die Rolle der EU als gleichberechtigter Partner der USA in der Nahostpolitik untergraben.

Darüber hinaus ist fraglich, ob Trump bei seinen Vermittlungsbemühungen tatsächlich die Interessen und Bedürfnisse aller Konfliktparteien im Blick hat oder ob er einseitig die Positionen Israels oder anderer enger Verbündeter der USA bevorzugt. Eine solche Parteinahme könnte den Friedensprozess weiter belasten und das Misstrauen der Palästinenser gegenüber den USA weiter verstärken.

Insgesamt bleibt abzuwarten, ob Trumps Friedensinitiative im Gazastreifen tatsächlich zu einer Deeskalation des Konflikts führt oder ob sie im Gegenteil neue Spannungen in der Region schürt. Klar ist, dass Trumps Vorstoß das sensible Machtgefüge im Nahen Osten durcheinanderbringen und die etablierten Akteure vor neue Herausforderungen stellen wird.

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