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Campingplatz oder Schrebergarten ersetzen überteuerte Wohnungen

Die Wohnungsmieten stiegen in den letzten Jahren in Berlin drastisch. Dabei blieben viele Rentner und Geringverdiener auf der Strecke und viele fürchten, in die Obdachlosigkeit zu rutschen. Doch mittlerweile finden viele eine bezahlbare Behausung: entweder im Wohnwagen bzw. mobilen Heim oder im Schrebergarten.

Sein eigener Herr auf der eigenen Parzelle

Nur wenige Euros kostet ein Quadratmeter Wohnen auf einem Campingplatz. Wer seinen Wohnwagen oder das mobile Heim auf einem Platz aufstellt, der zahlt nur einige Hundert Euro jährlich plus Müll und Abwasser. Immer mehr Menschen entscheiden sich für einen Umzug auf den Campingplatz, wobei es sich zumeist um Rentner, Frührentner oder andere Menschen mit wenig Geld handelt.

In 2019 lebten über 300.000 Menschen dauerhaft auf einem Campingplatz – Tendenz steigend. Das ist nicht verwunderlich, durch die stetig steigenden Mieten. Viele schauen sich daher nach alternativen Wohnmöglichkeiten um. Vorteil ist, dass es grundsätzlich nicht verboten ist, dauerhaft auf dem Campingplatz zu wohnen. Doch geht es darum, dort den Erst- bzw. Hauptsitz anzumelden, dann kommen einige Paragrafen der deutschen und europäischen Gesetzgebung ins Spiel.

Bezüglich der Legalität bzw. der Illegalität für das dauerhafte Wohnen auf dem Campingplatz in Deutschland wird durch das deutsche Baurecht begründet. Auch wenn das Baurecht deutschlandweit gilt, so ist es nicht bundeseinheitlich ausgelegt. Denn die einzelnen Bundesländer bestimmen die Auslegung von diesem. Das heißt, das, was in Nordrhein-Westfalen erlaubt ist, kann in Schleswig-Holstein verboten sein. Das zeigt, dass es abenteuerlich wird, wenn es darum geht dauerhaft auf dem Campingplatz zu leben.

Gleiches gilt im übrigen auch, wenn darüber nachgedacht wird, ein Umzugsunternehmen in Berlin zu beauftragen, den Hausrat für das dauerhafte Wohnen in den Schrebergarten zu transportieren.

Keine Übersicht: Viele Menschen leben dauerhaft in ihren Schrebergärten

Wie viele Menschen in Deutschland in den Kleingärten dauerhaft wohnen, das ist nicht erfasst. Denn es ist offiziell nicht erlaubt. Geregelt ist dies durch das Bundeskleingartengesetz, in dem steht, es sei nur „eine Laube in einfacher Ausführung“ zulässig. Diese dürfe „nach ihrer Beschaffenheit, insbesondere nach ihrer Ausstattung und Einrichtung nicht zum dauernden Wohnen geeignet sein“.

Die Kleingärtner verstehen das nicht, denn schließlich ist das Wohnen in „Tiny Houses“ auch offiziell erlaubt.

Längst hat die Mietendebatte die Kleingärten ebenso erreicht wie die Campingplätze. Zumeist gehören die Grundstücke in die öffentliche Hand und diese könnten den Platz nutzen, um Wohnhäuser zu bauen, statt diese den wenigen Gärtnern zu überlassen.

Doch ist das tatsächlich notwendig? Was ist, wenn es möglich wäre, dass die Menschen in ihren Schrebergärten nicht nur gärtnern, sondern sie auch dort dauerhaft wohnen dürften? In Berlin gibt es rund 71.000 Parzellen, auf denen kleine Lauben stehen. Mit einem Schlag würde es eine entsprechende Anzahl an verfügbaren Unterkünften in der Stadt geben und die Gärten würden dennoch erhalten bleiben. Selbst in Köln, Hamburg, Leipzig, München und Frankfurt gibt es Zehntausende dieser Kleingärten. Ein jeder Gärtner, der seine Wohnung aufgibt und in seine Laube zieht, der würde Platz für andere machen. Gleiches gilt für diejenigen die dauerhaft auf den Campingplatz ziehen wollen.

Warum werden die Wohnmodelle in den Schrebergärten behindert oder auch auf den Campingplätzen immer mehr verweigert? Ein jeder der sich für ein solches alternatives Wohnmodell entscheidet, der fühlt sich wohl, dort wo er wohnt. Niemand versteht, warum es verboten wird.

Der Mobilheimpark – eine alternative Wohnidee

Umgeben von Wald und Wiesen – eine wahre Idylle. Mittlerweile gibt es immer mehr Menschen, die sich entscheiden sich ein mobiles Mini-Fertighaus anzuschaffen, die bereits ab 30.000 Euro zu haben sind. Damit hat man ein festes Dach über den Kopf, aber dennoch herrscht Camping-Flair und Naturnähe. Die Kunden können sich bei den Herstellern die Ausstattung nach Wunsch zusammenstellen lassen wobei die Lieferung und der Aufbau extra kosten. Angeliefert werden die mobilen Wohnheime mit einem Tieflader oder Lkw, die auf das Gewicht ausgelegt sind. Die als „mobile Homes“ bekannten kleinen Häuschen besitzen zum Rangieren kleine Räder.

Die Stellplätze, die verpachtet werden, sind zumeist voll erschlossen. Es ist erstaunlich wie viele Menschen sich dazu entscheiden, in ein solches kleines Haus zu ziehen – darunter sogar oftmals auch Familien.

Die unsichere Rechtssicherheit führt zu Diskussionen

In Internetforen führt die unsichere rechtliche Situation unter den Kleingarten-Besitzern und den „Dauercampern“ zu Diskussionen. Sie geben sich gegenseitig Tipps und tauschen Erfahrungen aus, wie man sich am besten verhält, wenn man ständig in der Kleingarten-Kolonie oder auf dem Campingplatz wohnt. Nicht selten kommt der Rat darauf zu verzichten, sich bei den Behörden anzumelden, um so nicht schlafende Hunde zu wecken. Auffällig sind in den Foren immer wieder die Werbeanzeigen von Herstellern und Händlern von Mobilheimen, Tiny Houses und anderen Wohngelegenheiten.

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