Bern – Die Preise sind in der Schweiz bekanntermaßen höher als in den umliegenden europäischen Ländern. Die Löhne sind zwar ebenfalls höher, doch mittlerweile empfinden die Schweizer die Preise als zu überteuert und kaufen daher weniger. Der Konsum geht im Land spürbar zurück und dabei fällt ganz besonders auf, dass die Waren häufig im Ausland gekauft werden, da diese dort deutlich günstiger sind. Das gesamte Konsumverhalten der Schweizer verändert sich, da nicht nur verstärkt Waren im Ausland gekauft werden, sondern auch ein viel stärkerer Preisvergleich als früher durchgeführt wird. Besonders viele Menschen informieren sich vor einem Einkauf online über die Preise der Produkte und kaufen erst anschließend etwas. Dieser Trend zeigt, dass die Schweizer die Krise spüren und das Gefühl haben, mehr auf ihr Geld achten zu müssen. Das veränderte Kaufverhalten betrifft aber nicht nur allgemeine Konsumgüter, sondern auch Lebensmittel. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie von der Universität St. Gallen. Insgesamt gaben mehr als 50 Prozent der befragten Personen an, Waren aufgrund der niedrigeren Preise gelegentlich im Ausland zu kaufen.
Zunehmende Bedeutung von Preisvergleichen
Besonders auffällig ist die zunehmende Bedeutung der Herstellerseiten im Internet, da diese zum Preisvergleich genutzt werden und maßgebend an der Kaufentscheidung beteiligt sind. Bei der Studie der Universität St. Gallen wurden fünf verschiedene Branchen untersucht: Lebensmittel, Möbel, Bekleidung, Elektronik und Sport. Dabei kam heraus, dass in allen Branchen die Informationsphase über das Internet wesentlich wichtiger geworden ist und einen Zuwachs von rund 30 Prozent verzeichnen kann. Doch noch auffälliger ist, dass die Schweizer mittlerweile viele Produkte im Ausland kaufen. Im Jahr 2012 kauften nämlich nur 37 Prozent der Befragten ab und an Lebensmittel im Ausland, mittlerweile sind es mit 45 Prozent der Befragten deutlich mehr.
Privatkonsum noch immer die Stütze der Schweizer Wirtschaft
Im August 2013 ging der Konsumindikator der Schweiz zumindest leicht zurück und die Krise ist daher im Konsumbereich deutlich zu spüren. Die Schweizer verreisen weniger und bleiben derzeit mehr im eigenen Land. Trotz dieser Entwicklung bleibt der Privatkonsum aber weiterhin eine sehr wichtige Stütze der Schweizer Wirtschaft. Diese Studie zeigt, dass die Schweizer die Preise im eigenen Land für zu hoch halten und es daher nicht nur attraktiver, sondern auch notwendiger wird, vergleiche zu ziehen und vielleicht auch einige Waren im Ausland einzukaufen. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Schweizer daher derzeit nicht in Kauflaune, sondern orientieren sich neu und schränken sich auch bei den verschiedenen Anschaffungen ein.
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