Grönland – 6. Mai 2026: Forschenden ist es gelungen, seltene Aufnahmen von Tiefseelebewesen zu machen, darunter ungewöhnliche Fischbewegungen und akustische Signale von Meeressäugern. Möglich wurde dies durch ein kompaktes Video-Akustik-System, das auf dem Meeresboden eines abgelegenen arktischen Fjords platziert wurde. Das Monitoring-System wurde in einem grönländischen Fjord eingesetzt, um die marine Biodiversität zu beobachten, ohne das umliegende Ökosystem zu stören. Das Gerät wurde in 260 Metern Tiefe in der Inglefield Bredning im Nordwesten Grönlands positioniert. Entwickelt wurde das leichte System von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Arctic Research Center der Hokkaido University. Es wiegt weniger als 15 Kilogramm und kann in einer einzigen Transportbox mitgeführt werden, was den Einsatz auch in schwer zugänglichen Regionen erleichtert. Das System sollte für Meereslebewesen „unsichtbar“ bleiben. Es nutzt eine hochfrequente Videokamera, Hydrofone und rote LED-Beleuchtung, die für viele Tiefseeorganismen nicht im sichtbaren Spektrum liegt. Auf diese Weise lassen sich Beobachtungen über längere Zeit durchführen, ohne Tiere durch Licht oder Nähe zu beeinträchtigen, und zugleich werden Bild- und Toninformationen kombiniert. Hunderte Organismen knapp über dem Meeresboden erfasst In insgesamt 37 Stunden aufgezeichneten Materials zeigte sich Aktivität innerhalb des Hyperbenthos, der Lebensschicht direkt oberhalb des Meeresbodens. Insgesamt wurden 478 Organismen erfasst, vor allem kleine wirbellose Tiere wie Amphipoden, Copepoden, Pfeilwürmer und Quallen. Die Aufnahmen geben damit einen seltenen Einblick in eine Zone, die in polaren Fjorden nur schwer kontinuierlich zu beobachten ist. Das Filmmaterial hielt zudem größere und ungewöhnlichere Beobachtungen fest. So war ein Schneckenfisch zu sehen, der rückwärts schwamm, während er sich mit gekrümmtem Schwanz durch das Wasser bewegte. Solche Bewegungsmuster sind in der Dokumentation aus der Tiefe selten und unterstreichen, wie vielfältig das Verhalten selbst wenig beachteter Arten in arktischen Lebensräumen sein kann. Narwal-Laute und schnelle Umweltwechsel durch Gezeiten Die Hydrofone zeichneten täglich Ultraschalllaute von Narwalen auf, auch wenn die Tiere in den Aufnahmen nicht vollständig zu sehen waren. Außerdem wurde beobachtet, wie ein Narwal-Stoßzahn extrem dicht am Kameraobjektiv vorbeizog, in nur wenigen Dutzend Zentimetern Abstand. Damit lieferte das System akustische und visuelle Hinweise auf Präsenz und Bewegungen großer Meeressäuger. Die Daten zeigten darüber hinaus rasche Umweltveränderungen, darunter Verschiebungen von Meeresschnee, also organischen Partikeln, deren Konzentration sich innerhalb von Stunden verdoppeln kann. Die Richtung dieser Bewegung kehrte sich den Beobachtungen zufolge alle sechs Stunden aufgrund von Gezeitenströmungen um. Solche kurzfristigen Dynamiken sind entscheidend, um Stoffflüsse und Nahrungsangebote in arktischen Fjordsystemen zu verstehen. Die Forschenden erklären, das portable System biete eine skalierbare Methode für Polarstudien und könne die künftige Überwachung von Artentdeckungen und Umweltveränderungen in der sich rasch erwärmenden Arktis verbessern. Durch den vergleichsweise einfachen Transport und den unauffälligen Betrieb lasse sich das Verfahren an weiteren Standorten einsetzen. Damit könnten Zeitreihen entstehen, die sowohl biologische Aktivität als auch physikalische Veränderungen zuverlässiger erfassen.
