Video: Rettungsschiff vor Libyen beschossen

Video: Rettungsschiff vor Libyen beschossen


SOS Mediterranee veröffentlicht Aufnahmen von mutmaßlichem Angriff – Libysche Küstenwache spricht von Warnschüssen – Debatte um Vorgehensweise bei Seenotrettung eskaliert erneut.

 

Die Hilfsorganisation SOS Mediterranee hat der libyschen Küstenwache schwere Vorwürfe gemacht. Laut eigenen Angaben wurde das Rettungsschiff „Ocean Viking“ vor der libyschen Küste von Einheiten der Küstenwache beschossen. Die Organisation veröffentlichte dazu am Dienstag Videos und Fotos, die den mutmaßlichen Angriff dokumentieren sollen.

Aufnahmen zeigen Einschusslöcher im Schiff

Die veröffentlichten Aufnahmen zeigen mehrere Einschusslöcher im Rumpf der „Ocean Viking“ sowie Schussgeräusche, die während eines Rettungseinsatzes zu hören sind. Die Organisation gibt an, dass sich die „Ocean Viking“ am Montag in internationalen Gewässern befand, als das Schiff von einem Patrouillenboot der libyschen Küstenwache angegriffen wurde.

„Wir verurteilen diesen Angriff auf das Schärfste“, so ein Sprecher von SOS Mediterranee in einer Pressemitteilung. „Ein solches Vorgehen ist inakzeptabel und gefährdet das Leben der Menschen an Bord der ‚Ocean Viking‘ sowie der Menschen, die wir aus Seenot retten wollen.“ Die Organisation fordert eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls.

Libysche Küstenwache räumt Warnschüsse ein

Die libysche Küstenwache bestätigte den Einsatz in der fraglichen Region, bestreitet jedoch, das Schiff direkt beschossen zu haben. Ein Sprecher der Küstenwache erklärte gegenüber lokalen Medien, dass lediglich Warnschüsse abgegeben wurden, um ein verdächtiges Schiff zur Identifizierung zu zwingen. Man habe den Verdacht gehabt, dass das Schiff illegal in libyschen Gewässern operiere.

„Unsere Einheiten haben lediglich das übliche Verfahren angewendet, um ein unbekanntes Schiff zu stoppen“, so der Sprecher. „Es gab keine Absicht, das Schiff zu beschädigen oder Personen an Bord zu verletzen.“

Debatte um Pushbacks und Zusammenarbeit mit Libyen neu entfacht

Der Vorfall hat die Debatte um die Rolle der libyschen Küstenwache und die Zusammenarbeit europäischer Staaten mit dieser erneut entfacht. Hilfsorganisationen werfen der libyschen Küstenwache regelmäßig vor, Flüchtlinge und Migranten gewaltsam aufzufangen und in Lager zurückzubringen, in denen sie unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt sind.

SOS Mediterranee kritisiert zudem die EU-Politik, die auf die Unterstützung der libyschen Küstenwache setzt, um die Migration nach Europa zu kontrollieren. „Die EU macht sich mitschuldig an dem Leid der Menschen, die in Libyen gefangen sind“, so der Sprecher von SOS Mediterranee. „Es ist an der Zeit, dass Europa seine Verantwortung wahrnimmt und sich für eine menschenwürdige Seenotrettung einsetzt.“

Situation im Mittelmeer weiterhin angespannt

Die Situation im zentralen Mittelmeer bleibt angespannt. Trotz des kalten Wetters versuchen weiterhin Menschen, die gefährliche Überfahrt nach Europa anzutreten. Hilfsorganisationen fordern eine koordinierte europäische Seenotrettungsmission und kritisieren die fehlende Solidarität der europäischen Staaten bei der Aufnahme geretteter Menschen.

Die Untersuchung des Vorfalls um die „Ocean Viking“ dürfte die Debatte um die Seenotrettung und die Zusammenarbeit mit Libyen weiter anheizen und den Druck auf die europäischen Regierungen erhöhen, eine nachhaltige Lösung für die humanitäre Krise im Mittelmeer zu finden.

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