Nach der Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu, eines führenden Oppositionspolitikers, sind Zehntausende in der ganzen Türkei auf die Straße gegangen. Seine Anhänger behaupten, die Anschuldigungen wegen Korruption und Unterstützung einer verbotenen politischen Gruppierung seien politisch motiviert, um ihn an der Kandidatur für das Präsidentenamt zu hindern. Imamoglu, Mitglied der Republikanischen Volkspartei (CHP), wurde zusammen mit über 100 anderen Personen verhaftet, als seine Partei gerade dabei war, ihren Präsidentschaftskandidaten für 2028 zu bestimmen. Die Behörden haben ihm auch seinen Universitätsabschluss entzogen, so dass er nicht mehr kandidieren kann. Die Demonstranten argumentieren, dass seine Verhaftung für einen breiteren Kampf um Demokratie, Wirtschaft, Bildung und Gesundheitsversorgung steht. Die Demonstrationen, die größten seit 2013, haben trotz eines Verbots öffentlicher Versammlungen große Menschenmassen angezogen. Bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten kam es zu Hunderten von Festnahmen, wobei die Sicherheitskräfte Tränengas und Wasserwerfer einsetzten. Imamoglu streitet die Vorwürfe ab und bezeichnet sie als haltlos und politisch motiviert. Das Gericht hat die Korruptionsvorwürfe aufrechterhalten, die Terrorismusvorwürfe jedoch fallen gelassen, so dass der neue Bürgermeister Istanbuls aus den Reihen des Stadtrats gewählt wird.
