Weihnachtsbeleuchtung – (k)ein Treiber der Energiekrise

Die Energiesparverordnung der Bundesregierung ist am 01. September 2022 in Kraft getreten und sorgt bei den Bundesbürgern sowie in vielen Branchen für Diskussionen. Beispielsweise fordert die Deutsche Umwelthilfe einen Verzicht auf die beliebte Weihnachtsbeleuchtung. Vom Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Deutschland (BWS) wird jedoch klargestellt, dass es nicht zielführend ist, einen solchen Verzicht durchzusetzen – sei es im öffentlichen oder privaten Bereich.

Große Sorgen aufgrund der Energieknappheit

In diesem Winter liegt die größte Sorge bei der Gasknappheit und nicht der Stromknappheit. Dies belegt eine Sonderanalyse zur Stromversorgung im Winter 2022/23, die vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben wurde. Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass eine Gewährleistung für den sicheren Betrieb der Elektrizitätsversorgung in diesem Winter vorhanden ist. Aus diesem Grund ist laut dem BWS nicht davon auszugehen, dass es sich bei der dekorativen Beleuchtung bzw. dem Weihnachtsfest um eine Gefährdung handelt. Sondern der BWS spricht vom Gegenteil und erklärt, dass die Diskussion über den Stromverbrauch der weihnachtlichen Beleuchtung von den eigentlichen Problemen abgelenkt würde.

Die „fetten Jahre“ sind vorbei!

Sicherlich ist es eine emotionale Angelegenheit, ob die Weihnachtslichter „an“ oder „aus“ sind. Mit Recht weist die Deutsche Umwelthilfe darauf hin, dass die Lichter zum Weihnachtsfest jährlich mehr Strom verbrauchen als mittelgroße Städte und das ist eine Menge Elektrizität. Aber der „Verzicht“ wird die Energiekrise nicht lösen, ebenso gut wie kaltes Duschen. Doch es wird ein Zeichen gesetzt.

Stromsparend Weihnachten feiern

Werden über den Weihnachtsbaum hinweg dekorative Beleuchtungen verwendet, dann sollten zwei Dinge beachtet werden: Die Lichter nur am Abend einschalten und über Tag sowie in der Nacht ausschalten – Zeitschalter sind dabei hilfreich. Die konventionellen Glühbirnen sollten gegen Energiesparlampen und LED Lichter ausgetauscht werden, womit rund 70 Prozent des Strombedarfs für die Weihnachtsbeleuchtung eingespart werden kann. Selbst Solarlichter sorgen im Außenbereich für eine weihnachtliche Stimmung.

Darüber hinaus haben die Weihnachtsbaum Betriebe und Händler für Weihnachtsdekorationen zusätzliche Alternativen vorbereitet und im Kerzen Großhandel traditionelle Kerzenhalter, Baumkerzen, Kerzen für Adventskränze und sogar kleine Feuerlöscher im Angebot aufgenommen. Wer mit echten Kerzen den Baum unter Aufsicht zum Leuchten bringt, der wird auch in diesem Jahr ein helles Weihnachtsfest genießen können und das sogar mit einem Hauch von Nostalgie vergangener Tage.

Lichter aus als Zeichen der Energiekrise

Die Idee ist richtig, denn wir befinden uns in einer Energiekrise. Es tobt ein Krieg in Europa und die deutsche Wirtschaft steuert in eine Rezession – ganz zu schweigen von der Klimakatastrophe. Aus diesem Grund gilt für den BWS: unnötige künstliche “Lichter aus” als Zeichen, dass die Krisen der Welt jeden etwas angeht und dass das eigene Handeln Konsequenzen hat. Allerdings ist der Begriff „Verzicht“ für den Chef des BWS problematisch. Denn bei ausgeschalteten Lichtern handelt es sich nicht um Verzicht, sondern um eine Notwendigkeit, damit der Planet Erde auch in Zukunft weiter bewohnbar bleibt.

Vorsichtig umgehen sollte jeder mit dem Begriff „Selbstverständlichkeit“, denn was ist schon selbstverständlich? Leider in diesen Zeiten immer weniger! Letztendlich ist es die Formulierung des BWS-Chefs, mit der dieser daneben liegt. Denn er fordert angesichts der Energiekrise, dass es in diesem Winter eine Selbstverständlichkeit sein sollte, dass auf die Weihnachtsbeleuchtung in den Städten, öffentlichen Gebäuden und privaten Hausern und Wohnungen verzichtet wird. So würden allein die privaten „Beleuchtungsorgien“ jährlich einen Stromverbrauch von über 600 Millionen Kilowattstunden Strom verursachen – das ist so viel, wie eine Stadt mit 400.000 Einwohnern im Jahr verbraucht.

Sicherlich klingt dies zuerst einmal überzeugend. Doch die Zahlen funktionieren nur im Kontext und genau dieser wird vom BWS-Chef weggelassen. Was sind 600 Mio. Kilowattstunden konkret und wie viel weniger Geld landet letztendlich in Putins Tasche? Wie stark wirkt sich das auf den Klimawandel aus und wie viel mehr Energie wird verbraucht, wenn die Menschen die Weihnachtsgeschenke online bestellen und sich liefern lassen, da sie die weihnachtliche Stimmung der Innenstädte vermissen? Und noch etwas. Wahrscheinlich werden die dunklen Städte dafür sorgen, dass die Menschen vermehrt zu Hause bleiben und das wohl kaum bei Kerzenschein, ausgeschalteten Elektrogeräten und einem kalten Essen. Kurz gesagt: Wird an einer Ecke Energie gespart, bedeutet das, dass diese an einer anderen Stelle verbraucht wird.

Die Bedrohung fürs Stromnetz: Konvektoren & elektrische Heizlüfter

Vonseiten des Vorstandes des BWS ist es unverständlich, dass die Deutsche Umwelthilfe das Weihnachtsfest so angreift. Denn schließlich entfaltet dieses besonders in Krisenzeiten eine symbolische Wirkung und stellt für den Großteil der Bevölkerung eine wichtige und unverzichtbare Tradition dar. Weiter heißt es in der Stellungnahme, dass die Umwelthilfe das Backen ebenso gut als Umweltsünde herauspicken könnte.

Der Vergleich: Moderne LED-Lichterketten verbrauchen etwa 1,7 Kilowattstunden, wenn sie täglich für acht Stunden für zwei Monate lang eingeschaltet sind. Ähnlich viel Energie verbraucht ein neuer Backofen der Energieeffizienzklasse A in nur zwei Betriebsstunden.

Nach Ansicht des BWS lenken die Diskussionen rund um die zeitlich begrenzte Adventszeit und Weihnachtszeit von den tatsächlichen Bedrohungen für das Stromnetz in diesem Winterhalbjahr ab. Das größte Problem sehen die Experten für die Stromversorgung bei dem steigenden Verbrauch von Konvektoren und elektrischen Heizlüftern aufgrund der Gasknappheit. Kommt es dazu, dass immer mehr Haushalte die Räume mit diesen Geräten heizen, dann sind diese gefährlicher für das Stromnetz als alle Weihnachtsbeleuchtungen zusammen.

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