Eine Gruppe von 38 Wissenschaftlern aus neun Ländern hat vor den potenziellen Gefahren der Schaffung synthetischer „Spiegelbakterien“ gewarnt. Diese Organismen werden aus umgekehrten Molekularstrukturen aufgebaut, die für Menschen, Tiere und Pflanzen beispiellose Risiken bergen könnten
Technologie steckt noch in den Kinderschuhen
Obwohl die Technologie zur Schaffung dieser Lebensformen noch mindestens ein Jahrzehnt entfernt ist, argumentieren die Forscher, dass die potenziellen Folgen eine sofortige Überprüfung erfordern. Im Gegensatz zu natürlichem Leben, das auf einer einheitlichen molekularen „Händigkeit“ beruht, würden Spiegelbakterien aus einer umgekehrten molekularen Chiralität bestehen, was sie für das Immunsystem unerkennbar machen würde. Dies könnte zu schweren Infektionen bei Pflanzen, Tieren und Menschen führen und sogar Ökosysteme stören.
„Angetrieben von Neugierde und plausiblen Anwendungen erforschen einige Forscher dieses radikale Feld“, schreiben die Autoren und betonen, dass Vorsicht geboten ist. Jonathan Jones vom Sainsbury Laboratory verglich die potenziellen Risiken mit einem gefährlichen Geist, den man nicht freilassen sollte.
Schädliche Folgen nicht abschätzbar
Die Wahrscheinlichkeit schädlicher Folgen ist zwar gering, aber die Konsequenzen könnten auch katastrophal sein. Die Wissenschaftler raten davon ab, Forschungen zur Schaffung von Spiegelbakterien zu finanzieren oder zu verfolgen, wenn die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann.
Während synthetische Biologen das Leben besser verstehen und medizinische Fortschritte entwickeln wollen, könnte die Schaffung von Spiegelorganismen die Fähigkeit übersteigen, ihre Risiken zu beherrschen. Tom Ellis vom Imperial College London stellte fest, dass die derzeitige Forschung weit davon entfernt ist, solche Fähigkeiten zu erreichen.
