In diesem Jahr wurden bis Mitte des Jahres bereits 60 Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in Bayern gemeldet. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres, als es lediglich 37 Fälle gab. Eine so hohe Zahl an FSME-Erkrankungen für diesen Zeitraum wurde zuletzt im Jahr 2001 verzeichnet.
Die Ursachen für den Anstieg
Der Anstieg der FSME-Fälle in Bayern lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Zum einen haben die milden Winter der letzten Jahre dazu beigetragen, dass die Zeckenpopulation in der Region gewachsen ist. Zecken, die Überträger des FSME-Virus sind, konnten sich aufgrund der milden Temperaturen besser vermehren und aktiv werden. Hinzu kommt, dass viele Menschen in den letzten beiden Jahren aufgrund der Corona-Pandemie verstärkt die Natur und Wälder in Bayern aufgesucht haben. Dadurch erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit, von einer Zecke gestochen zu werden und sich mit dem Virus zu infizieren.
Risiko- und Gefährdungsgebiete in Bayern
Bayern zählt generell zu den Risikogebieten für FSME in Deutschland. Besonders betroffen sind die südlichen Regionen des Freistaats, wie Oberbayern, Niederbayern und Schwaben. Dort, wo es viele Wälder, Wiesen und Felder gibt, finden Zecken ideale Lebensbedingungen. In diesen Regionen ist die Wahrscheinlichkeit für einen Zeckenstich und eine daraus resultierende FSME-Erkrankung deutlich höher als in den nördlichen Landesteilen.
Allerdings gibt es auch in anderen Teilen Bayerns Gebiete, in denen das FSME-Risiko erhöht ist. So wurden in den letzten Jahren vermehrt Fälle aus dem Raum Nürnberg, Würzburg und Regensburg gemeldet. Die Experten führen dies darauf zurück, dass sich die Verbreitung der Zecken in den letzten Jahren weiter ausgedehnt hat. Immer mehr Landkreise und Städte in Bayern werden daher als Risikogebiete eingestuft.
Symptome und Verlauf einer FSME-Erkrankung
Eine FSME-Erkrankung verläuft typischerweise in zwei Phasen. In der ersten Phase treten grippe-ähnliche Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit und Gliederschmerzen auf. Diese Phase klingt in der Regel nach etwa einer Woche wieder ab. Bei rund einem Drittel der Infizierten kommt es dann jedoch zu einem Übergang in die zweite Phase, in der sich eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute entwickelt.
In dieser zweiten Phase können schwerwiegende Symptome wie Bewusstseinstrübungen, Krampfanfälle und Lähmungserscheinungen auftreten. In manchen Fällen kann eine FSME-Erkrankung sogar tödlich verlaufen. Laut Angaben des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sterben jährlich etwa 0,5 bis 2 Prozent der FSME-Patienten an den Folgen der Infektion.
Impfung als wichtiger Schutz
Die beste Möglichkeit, sich vor einer FSME-Infektion zu schützen, ist eine rechtzeitige Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung für Personen, die in Risikogebieten wie Bayern leben oder dort regelmäßig Outdoor-Aktivitäten ausüben. Die Impfung besteht aus mehreren Teilimpfungen und bietet einen sehr guten Schutz vor einer Erkrankung.
Allerdings lassen sich nicht alle Menschen in Bayern impfen. Laut Angaben des LGL liegt die Impfquote in einigen Regionen des Freistaats bei unter 40 Prozent. Gerade in den Risikogebieten im Süden Bayerns ist die Impfbereitschaft oft niedriger als im landesweiten Durchschnitt. Experten sehen hierin eine der Hauptursachen für den aktuellen Anstieg der FSME-Fallzahlen.
Vorsichtsmaßnahmen neben der Impfung
Neben der Impfung gibt es weitere Möglichkeiten, sich vor Zeckenstichen und einer FSME-Infektion zu schützen. Dazu zählt zum einen, dass man bei Outdoor-Aktivitäten in Risikogebieten entsprechende Kleidung trägt. Lange Hosen, geschlossene Schuhe und helle Oberteile erschweren es den Zecken, an die Haut zu gelangen. Zudem sollte man den Körper nach Spaziergängen oder Wanderungen gründlich nach Zecken absuchen und diese umgehend entfernen.
Auch die richtige Entfernung einer Zecke ist wichtig, um eine Ansteckung zu verhindern. Experten raten dazu, die Zecke vorsichtig mit einer Pinzette zu fassen und langsam gerade herauszuziehen. Auf keinen Fall sollte man versuchen, die Zecke durch Quetschen, Brennen oder ähnliche Methoden zu entfernen, da dies das Risiko einer Infektion erhöht.
Medizinische Versorgung bei Verdacht auf FSME
Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Zeckenstich kommen und der Verdacht auf eine FSME-Infektion bestehen, ist es wichtig, umgehend ärztlichen Rat einzuholen. Der behandelnde Arzt kann dann eine Blutuntersuchung veranlassen, um eine mögliche Infektion nachzuweisen. Bei einem positiven Befund kann rechtzeitig eine geeignete Behandlung eingeleitet werden.
In schweren Fällen einer FSME-Erkrankung ist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erforderlich. Dort können die Patienten intensiv überwacht und gegebenenfalls mit Medikamenten unterstützt werden. Allerdings gibt es bislang keine spezifische Behandlung gegen das FSME-Virus. Die Therapie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu verhindern.
Prävention und Aufklärung als wichtige Aufgaben
Um die Zahl der FSME-Fälle in Bayern in Zukunft zu senken, sind neben der individuellen Prävention auch gesamtgesellschaftliche Anstrengungen erforderlich. Die Gesundheitsbehörden und das Gesundheitsministerium sind gefordert, die Bevölkerung noch stärker über die Gefahren von Zecken und FSME aufzuklären.
Dazu gehört nicht nur der Hinweis auf die Möglichkeit einer Impfung, sondern auch die Vermittlung von Wissen über richtiges Verhalten im Freien und die korrekte Entfernung von Zecken. Je mehr Menschen über das Risiko informiert sind und entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen, desto geringer wird langfristig die Zahl der FSME-Erkrankungen in Bayern.
Zudem müssen die Behörden die Überwachung und Eindämmung der Zeckenpopulation weiter verstärken. Nur so lässt sich die weitere Ausbreitung der Überträger des FSME-Virus in den kommenden Jahren verhindern. Insgesamt erfordert der Schutz vor FSME in Bayern ein ganzheitliches Konzept aus individueller Vorsorge, Aufklärung und gezielter Bekämpfung der Zeckengefahr.
