Zürich – Richard Sprüngli, der das Traditionsunternehmen, die Confiserie Sprüngli AG, von 1956 bis 1994 in fünfter Generation leitete, ist im Alter von 98 Jahren verstorben. Die Stadt Zürich trauert um den Unternehmer. Die Stadtpräsidentin Corine Mauch ehrt Richard Sprüngli posthum: „Das Leben und Wirken von Richard Sprüngli war für die Stadt Zürich von großer Bedeutung. Seine Verbundenheit und sein Engagement für unsere Stadt, sei es als Zunftmeister der Schiffleuten oder als Präsident der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse, und sein Engagement als Patron für seine Mitarbeitenden bleiben in bester Erinnerung.“
Confiserie 1836 gegründet
David Sprüngli gründete 1836 mit seinem Sohn die Confiserie Sprüngli & Sohn. 1845 wurde im Betrieb auch Schokolade von Lindt erzeugt. 1877 übersiedelte die Confiserie auf den Paradeplatz, wo ein Erfrischungsraum eröffnet wurde, der von der Züricher Gesellschaft mit Begeisterung angenommen wurde. Wer Rang und Namen hatte, verbrachte hier seine Stunden bei Kaffee und Kuchen. Ein gesellschaftlicher Treffpunkt war entstanden. 1892 trennte sich die Schokoladeerzeugung Lindt von der Confiserie Sprüngli. Weitere Generationen lenkten die Geschicke des Unternehmens, bis 1956 Richard Sprüngli die Leitung übernahm. Heute liegt sie in den Händen von Milan und Thomas Prenosil, seinen beiden Neffen. Richard Sprüngli entdeckte auch die Luxemburgerli, farbige Macarons, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen. Sie gehören beinahe wie ein Wahrzeichen zur Stadt. Doch eine weitere Errungenschaft geht auf ihn zurück, die Züricher Weihnachtsbeleuchtung. Engagiert für Wirtschaft und Tourismus, setzte er sich für die erste Weihnachtsbeleuchtung ein. Sie schmückte die Bahnhofstraße 30 Jahre lang. Ebenso geht die Vereinigung Zürcher Bahnhofstraße auf sein Bestreben zurück.
Multitalent Sprüngli
Richard Sprüngli zeigte sich sein ganzes Leben lang aktiv, nicht nur im eigenen Unternehmen und für die Zürcher Wirtschaft, sondern auch bei seinen Freizeitaktivitäten. Skifahren, Jagen, Reiten und das Automobil waren seine Leidenschaften. Auch in der Zunft war er bis ins hohe Alter tätig. Von 1958 bis 1971 war Sprüngli Zunftmeister der Schiffleute. „Richard Sprüngli hat sichtbare Spuren in der Zunft hinterlassen, so haben wir noch heute ein Kinder-Dessert am Sechseläuten und natürlich den schönsten Tirggel», erzählt Peter Neuenschwander, Nachfolger als Zunftmeister. Den Treffen blieb er auch im Alter selten fern. Nachdem er die Führung der Confiserie seinen Neffen übergeben hatte, zog er sich jedoch nicht ganz zurück. Zu aktiv, wollte er Entscheidungen mittragen. Zwar gab er die Funktion als Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates ab, doch blieb er bis zuletzt Ehrenpräsident und Mitglied des Verwaltungsrates. Zürich verabschiedet sich von einem Unternehmer, der nicht nur seinen eigenen Betrieb prägte, sondern auch eine Stadt.
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