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Führender Regierungsberater zweifelt an Überlebensfähigkeit des Euro

Berlin - Der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium, Kai Konrad, hat sich skeptisch über die Zukunft des Euro geäußert. "Dem Euro gebe ich mittelfristig nur eine begrenzte Überlebenschance", sagte Konrad im Gespräch mit der "Welt am Sonntag". Ein Zeitraum von fünf Jahren sei dabei als mittlere Frist realistisch.

Konrad, der Direktor am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen in München ist, sprach sich auch dagegen aus, die im Maastricht Vertrag festgelegte Schuldenobergrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Europa neu etablieren zu wollen. "Ein solches Comeback würde nichts bringen. Im Gegenteil gilt: Wenn man versucht, solche Auflagen Mitgliedsstaaten aufzuzwingen, schafft man Ressentiments und riskiert am Ende das Projekt Europa." Rückblickend müsse man zudem feststellen, dass sogar die Schwelle von 60 Prozent in Europa noch zu hoch gegriffen war. "Die europäischen Wachstumserwartungen haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren nicht erfüllt. Wer aber schwach wächst, darf erst recht nicht viel Schulden machen", sagte Konrad weiter. Der Finanzwissenschaftler nahm auch Stellung zur Debatte um die richtige Sparpolitik, nachdem bekannt geworden war, dass sich der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff in einer wichtigen Studie zur Verschuldung von Staaten verrechnet hatte. "An der Notwendigkeit, stärker zu sparen, kann es in Europa keinen Zweifel geben. Das Ergebnis von Rogoff und Reinhart ist überinterpretiert worden. Nachhaltigkeit kann man nicht an einer einzelnen Zahl festmachen", sagte Konrad.

Foto: Euromünze, über dts Nachrichtenagentur

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