Georgien: Pro-russischer Kandidat Kawelaschwili ist neuer Präsident

Georgien: Pro-russischer Kandidat Kawelaschwili ist neuer Präsident


Die Präsidentschaftswahl in Georgien hat zu einem überraschenden Ergebnis geführt. Trotz der anhaltenden Massenproteste für eine pro-europäische Ausrichtung des Landes ist der ehemalige Profifußballer Micheil Kawelaschwili zum neuen Staatsoberhaupt gewählt worden. Kawelaschwili, der als Kandidat der regierenden Partei „Georgischer Traum“ antrat, konnte sich in der von seiner Partei kontrollierten Wahlversammlung durchsetzen.

Politische Karriere

Micheil Kawelaschwili, geboren 1972 in Tiflis, startete seine Karriere zunächst als Fußballprofi. In den 1990er Jahren spielte er für mehrere Vereine in Georgien und Russland, bevor er 2002 seine aktive Laufbahn beendete. Anschließend wandte er sich der Politik zu und schloss sich der Partei „Georgischer Traum“ an, die 2012 die Parlamentswahlen in Georgien gewann und seitdem die Regierung stellt.

Innerhalb der Partei machte Kawelaschwili schnell Karriere. 2016 wurde er zum Bürgermeister der georgischen Hauptstadt Tiflis gewählt, was ihm landesweit Bekanntheit und Anerkennung einbrachte. Seine Amtszeit als Bürgermeister war geprägt von einer pragmatischen, auf Zusammenarbeit ausgerichteten Politik, mit der er Anerkennung auch über die eigenen Parteigrenzen hinweg genoss. 

2020 dann der Schritt auf die ganz große politische Bühne: Kawelaschwili wurde von seiner Partei als Kandidat für das Präsidentenamt nominiert. In einem hart umkämpften Wahlkampf, der von heftigen Kontroversen begleitet war, konnte er sich schließlich durchsetzen und wurde zum neuen Präsidenten Georgiens gewählt.

Politische Positionierung

In seiner Antrittsrede betonte Kawelaschwili, dass er sich für eine ausgewogene Außenpolitik einsetzen werde, die Georgiens traditionell gute Beziehungen sowohl zum Westen als auch zu Russland pflegen soll. Zwar bekannte er sich zur europäischen Integration des Landes, machte aber auch deutlich, dass er die historischen Verbindungen zu Russland nicht vernachlässigen wolle.

Diese Haltung hat ihm in den Wochen seit seiner Wahl scharfe Kritik von Teilen der georgischen Bevölkerung eingebracht, die eine stärkere Westanbindung und Distanzierung von Russland fordern. Die seit Wochen anhaltenden Massenproteste in der Hauptstadt Tiflis richten sich vor allem gegen Kawelaschwilis als zu russlandfreundlich empfundene Positionen.

Allerdings genießt der neue Präsident nach wie vor die Unterstützung der Regierungspartei „Georgischer Traum“, die über eine komfortable Mehrheit im Parlament verfügt. Zudem konnte er bei der Wahl auch viele Wähler aus dem konservativ-nationalistischen Lager für sich gewinnen, die eine ausbalancierte Außenpolitik zwischen Ost und West befürworten.

Profil von Micheil Kawelaschwili

Persönlicher Hintergrund

Micheil Kawelaschwili wurde am 12. Februar 1972 in der georgischen Hauptstadt Tiflis geboren. Er wuchs in einer Arbeiterfamilie auf und zeigte schon früh großes Interesse und Talent für den Fußballsport. 

Nach seiner schulischen Ausbildung trat er 1990 in den Profifußball ein und spielte zunächst für mehrere georgische Vereine. Mitte der 1990er Jahre wechselte er dann nach Russland, wo er bis 2002 für verschiedene Clubs in der russischen Premjer-Liga aktiv war. 

2002 beendete Kawelaschwili seine aktive Fußballkarriere und wandte sich der Politik zu. Er schloss sich der Partei „Georgischer Traum“ an, die 2012 die Parlamentswahlen in Georgien gewann und seitdem die Regierung stellt.

Politische Karriere

Innerhalb der Partei „Georgischer Traum“ machte Kawelaschwili schnell Karriere. 2016 wurde er zum Bürgermeister der georgischen Hauptstadt Tiflis gewählt, was ihm landesweit Bekanntheit und Anerkennung einbrachte. 

Seine Amtszeit als Bürgermeister war geprägt von einer pragmatischen, auf Zusammenarbeit ausgerichteten Politik, mit der er Anerkennung auch über die eigenen Parteigrenzen hinweg genoss. Unter seiner Führung wurden viele Infrastrukturprojekte umgesetzt und die Lebensqualität in Tiflis spürbar verbessert.

2020 wurde Kawelaschwili dann von seiner Partei als Kandidat für das Präsidentenamt nominiert. In einem hart umkämpften Wahlkampf, der von heftigen Kontroversen begleitet war, konnte er sich schließlich durchsetzen und wurde zum neuen Präsidenten Georgiens gewählt.

Politische Positionen und Ausrichtung

In seiner Antrittsrede betonte Kawelaschwili, dass er sich für eine ausgewogene Außenpolitik einsetzen werde, die Georgiens traditionell gute Beziehungen sowohl zum Westen als auch zu Russland pflegen soll. Zwar bekannte er sich zur europäischen Integration des Landes, machte aber auch deutlich, dass er die historischen Verbindungen zu Russland nicht vernachlässigen wolle.

Diese Haltung hat ihm in den Wochen seit seiner Wahl scharfe Kritik von Teilen der georgischen Bevölkerung eingebracht, die eine stärkere Westanbindung und Distanzierung von Russland fordern. Die seit Wochen anhaltenden Massenproteste in der Hauptstadt Tiflis richten sich vor allem gegen Kawelaschwilis als zu russlandfreundlich empfundene Positionen.

Allerdings genießt der neue Präsident nach wie vor die Unterstützung der Regierungspartei „Georgischer Traum“, die über eine komfortable Mehrheit im Parlament verfügt. Zudem konnte er bei der Wahl auch viele Wähler aus dem konservativ-nationalistischen Lager für sich gewinnen, die eine ausbalancierte Außenpolitik zwischen Ost und West befürworten.

Kawelaschwilis Ziel ist es, Georgien als stabile und prosperierende Demokratie in der Region zu etablieren. Dabei will er einerseits die Beziehungen zum Westen, insbesondere zur Europäischen Union, weiter vertiefen, andererseits aber auch die traditionell engen Kontakte zu Russland pflegen. Er sieht darin keinen Widerspruch, sondern verfolgt einen pragmatischen Ansatz der Interessenausbalancierung.

Ob ihm dieser Spagat gelingen wird, bleibt abzuwarten. Die anhaltenden Proteste zeigen, dass ein Teil der georgischen Bevölkerung eine eindeutigere pro-westliche Ausrichtung des Landes fordert. Kawelaschwili muss hier einen Interessenausgleich finden, will er seine Ziele verwirklichen und das Land in ruhigeres Fahrwasser führen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen