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Studie: Region Stuttgart muss Attraktivität verbessern

In den zurückliegenden vier Jahren hat die Region Stuttgart per Saldo deutlich weniger Betriebe durch Sitzverlagerungen gewonnen, als dies von 2005 bis 2008 der Fall gewesen ist. Damals war der Wanderungssaldo noch mit 288 Unternehmen positiv, in den danach folgenden Jahren erreichte das Plus bis Ende 2012 nur noch 60 Betriebe.

Deutlich verstärkt durch Neugründungen hat sich indes der Zuwachs an im Handelsregister eingetragenen Betrieben. Von 2005 bis 2009 wuchs deren Zahl in der Region Stuttgart um 2.445 auf rund 53.000, von 2009 bis Ende 2012 gab es eine Zunahme um 4.300 Firmen auf gut 57.000.

Im Abstand von vier Jahren wertet die IHK Region Stuttgart Zu- und Wegzüge von Firmen innerhalb ihres Kammerbezirks aus. Von 2009 bis Ende 2012 verlagerten 486 Firmen ihren Sitz in die Region Stuttgart, die zuvor ihre Betriebsstätte in anderen Teilen Baden-Württembergs hatten. Weitere 787 Unternehmen verlagerten ihren Sitz aus anderen Bundesländern in die Region der Landeshauptstadt. Auf der Negativseite steht der Wegzug von 522 Betrieben in andere Regionen Baden-Württembergs, weitere 691 zogen über die Landesgrenzen hinaus weg in andere Bundesländer. Nicht erfasst in der Studie, die sich allein auf Verlagerungen bezieht, sind Ansiedlungen von Betrieben, die direkt aus dem Ausland in die Region Stuttgart gekommen sind. In allen bedeutenden Fällen handelt es sich ohnehin um die Gründung von Niederlassungen und nicht um Sitzverlagerungen.

Insgesamt ist die Häufigkeit der Umzüge um ein Drittel angestiegen. Jedes fünfte aller ins Handelsregister eingetragenen Unternehmen ist demnach mindestens einmal umgezogen. Zwar sind laut Studie mehr als drei von vier Umzügen innerhalb der Region Stuttgart erfolgt. Die Tatsache, dass mehr als 1.200 Unternehmen im Untersuchungszeitraum von 2009 bis 2012 der Region den Rücken gekehrt haben, dürfe laut IHK-Präsident Georg Fichtner jedoch nicht wegdiskutiert werden.

Bei den Zu- und Wegzügen verzeichnen der Landkreis Böblingen und die Landeshauptstadt Stuttgart einen negativen Saldo und verlieren jeweils 23 und 115 Betriebe. Nach den Nennungen der Unternehmen waren Immobilienpreise, Gewerbesteuersatz und die Knappheit an geeigneten Gewerbeflächen wesentliche Motive für die Verlagerung. Am meisten profitierten in den zurückliegenden Jahren die Landkreise Ludwigsburg (+77 Betriebe) und Esslingen (+72) vom Standortwechsel. Der Landkreis Göppingen konnte sein Verlagerungsminus aus der Vorperiode von zehn fortgezogenen Betrieben mit einem Plus von 28 Umzügen hinter sich lassen.

Auch die Kommunen dürfen sich nicht auf bisherigen Erfolgen ausruhen: Zwei Drittel aller großen Kommunen haben mehr Unternehmen verloren als gewonnen. Die Städte Remseck am Neckar (-7 Betriebe), Kornwestheim (-8) und Waiblingen (-18) bilden dabei die Schlusslichter. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen führt dank ausgebauter Messe und Flughafen die Liste der Gewinner an (+45). Bei den mittleren Kommunen liegt Leutenbach vorn (+14) und bei den kleinen Altenried (+6).

Sorgenkind unter den Branchen ist das Dienstleistungsgewerbe, die einzige Branche mit einem negativen Verlagerungssaldo (-29 Betriebe). Die anderen Branchen konnten unter anderem mit Hilfe von branchenspezifischen Netzwerken dazugewinnen. Am stärksten war die Nettozuwanderung im Baugewerbe (+33). Innerhalb der Industrie (+3) konnte die Elektrotechnik am meisten zulegen (+15).

Wären die Standortbedingungen für alle aus der Region fortgezogenen Unternehmen rechtzeitig verbessert worden, dann hätten laut IHK viele dieser Fortzüge vermieden werden können. IHK-Präsident Fichtner: „Wir können die Kommunen nur ermuntern, auf die Sorgen und Wünsche der Betriebe aufmerksam und flexibel zu reagieren. Die Betriebe sind das eigentliche Kapital der Städte und Gemeinden. Jeder Weggang eines Unternehmens muss im ureigenen Interesse der Kommune vermieden werden.“ An der Attraktivität des Standorts müssten aber auch die Landkreise, der Verband Region Stuttgart und auch die Landesregierung arbeiten. „Die Region Stuttgart ist nach wie vor der wirtschaftliche Motor Baden-Württembergs, das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren“, so Fichtner.

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