Genf – Das weltgrößte Forschungszentrum Cern im Kanton Genf öffnete am Wochenende die Türen für Besucher. 70.000 Interessierten wurde Einlass gewährt. Mehr als 20.000 von ihnen konnten den unterirdischen, fast 27 Kilometer langen Tunnel des Teilchensbeschleunigers besichtigen. Aus Sicherheitsgründen konnten nicht alle Besucher bis in das Heiligste von Cern vordringen. Doch auch die übrigen 50.000 Gäste kamen in den Forschungsstätten und Labors auf ihre Kosten. Der Einblick in die Grundlagenforschung, die hier betrieben wird, weckte großes Staunen.
Cern mit Sonderstellung
Am 29. Juni 1953 unterzeichneten die damals noch zwölf europäischen Mitgliedsstaaten des vorerst provisorischen Cern die Gründungsurkunde. Ein Jahr später ratifizierten sieben der zwölf Mitgliedsstaaten den Staatsvertrag zur Gründung. Schließlich folgte am 10. Juni die Grundsteinlegung des Cern-Forschungszentrums durch Felix Bloch, dem ersten Generaldirektor von Cern. Bis Dezember 2013 ist der Deutsche Rolf-Dieter Heuer als Generaldirektor im Amt. Der Wechsel erfolgt alle vier Jahre. Heute sind mehr als 3.500 Mitarbeiter am Cern tätig. Mehr als 1.000 Gastwissenschaftler aus 85 Nationen betreiben im Forschungszentrum physikalische Grundlagenforschung. Das oberste Entscheidungsgremium ist der Rat des Cern, in den die 20 Mitgliedsstaaten je einen Wissenschaftler und einen Repräsentanten der Regierung entsenden. Seit Dezember 2012 besitzt Cern Beobachterstatus bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Der Status wird begründet mit der wichtigen Rolle, die Cern in der Wissenschaft und Entwicklung einnimmt. Auch wurde dem Aspekt der internationalen Zusammenarbeit durch die Verleihung des Beobachterstatus‘ Rechnung getragen.
Forschung mit bedeutenden Ergebnissen
Am Cern soll unter anderem die grundlegende Frage beantwortet werden, woraus das Universum besteht, also der Aufbau der Materie ebenso untersucht und erforscht werden wie die Wechselwirkungen zwischen den Elementarteilchen. Mit dem größten Teilchenbeschleuniger werden Teilchen mit Lichtgeschwindigkeit zur Kollision gebracht. Im Anschluss werden die Flugbahnen bestimmt und analysiert. Auf diese Weise können Rückschlüsse auf die Eigenschaften sowohl der kollidierten Teilchen wie der daraus neu entstandenen Teilchen gezogen werden. Der Teilchenbeschleuniger ist derzeit für 18 Monate außer Betrieb. 2015 soll er wieder für einen neuen Versuch, auf den er in der Zwischenzeit vorbereitet wird, hochgefahren werden. Für diesen Versuch wird eine höhere Energiezufuhr benötigt. Es müssen aus diesem Grund 1695 Verbindungen zwischen den Magneten und dem Teilchenbeschleuniger geöffnet und ihre Isolation verstärkt werden. Durch den Versuch soll die Entdeckung des sogenannten Higgs-Teilchens bestätigt werden. Doch erwarten sich die Forscher auch neue Erkenntnisse über supersymmetrische Teilchen und über die Dunkle Materie.

