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UNESCO: Augsburgs Wassermanagement-System wird Weltkulturerbe

Die UNESCO hat das Wassermanagement-System in Augsburg zum Weltkulturerbe erklärt. Das entschied das Komitee am Samstag auf seiner Tagung in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku . Damit wird das historische Wassersystem im bayerischen Augsburg, das einst von den Römern gegründet wurde, in die Liste der schützenswerten Welterbe aufgenommen. Insgesamt 22 Objekte der Technik, Industriearchäologie, Architektur und bildenden Kunst aus über 700 Jahren Stadtgeschichte zählen zu der neuen Welterbestätte. Dazu gehören mittelalterliche Kanäle und Wasserwerke aus der frühen Neuzeit und drei Renaissance-Brunnen ebenso wie die Kanustrecke am Eiskanal. Zuvor war auch die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří zum Weltkulturerbe erklärt worden. Das historische Bergbaugebiet befindet sich in der Grenzregion zwischen Sachsen und Nordböhmen in Tschechien.

Das Augsburger Wassermanagement-System (www.wassersystem-augsburg.de) erstreckt sich zwischen Lech und Wertach sowie dem Trinkwasserschutzgebiet Stadtwald und umfasst den Hochablass samt Eiskanal, knapp 190 Kilometer Lechkanäle, die Wassertürme am Roten Tor, die Stadtmetzg, die weltberühmte Brunnen-Trias in der Maximilianstraße und am Rathausplatz, Brunnenwerke und eine stattliche Anzahl an Wasserkraftwerken bis Gersthofen, Langweid und Meitingen.

Die Kombination aus menschlichem Erfindungsgeist, wegweisender Ingenieurwissenschaft und großartigen Kunstwerken von Weltrang bilden das Erfolgskonzept des Augsburger Wassermanagement-Systems. Nirgendwo sonst ist lückenlos über acht Jahrhunderte hinweg das Zusammenspiel von Innovationsgeist und technischer Meisterleistung so zu erleben wie anhand des Wassermanagement-Systems in Augsburg. Dazu eine Erläuterung von Dr. Christoph Bellot, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege „Die vielen erhaltenen und 22 davon für das UNESCO-Welterbe nominierten Teile des Systems exemplifizieren die Nutzung der natürlichen Ressourcen seit der Antike, die Entwicklung der dazu nötigen Technik und – als besonderes Charakteristikum – die Interpretation der Einheit von Natur und Technik durch die Kunst. Das Kanalnetz mit Wasser aus den nahegelegenen Flüssen besteht wohl seit dem Frühmittelalter, hat erste Ansätze sogar schon in der Römerzeit und wurde bis ins 20. Jahrhundert immer weiter ausgebaut.

Die hydrotechnischen Bauten reichen bis ins Hochmittelalter zurück, Wasserwerke gab es mindestens seit etwa 1400. Die Kanäle trieben Mühlen und andere Mechanik an, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden an ihnen auch Kraftwerke zur Stromerzeugung angelegt. Die Kanäle und die Gruppe der Wassertürme prägen noch heute das Bild der Altstadt entscheidend mit, die Kraftwerke stehen als Zeugen der Geschichte in den Industrievierteln. Die Trias der Brunnen aus der späten Renaissance beherrscht die zentrale Prachtstraße von Augsburg, sie sind Hauptwerke der europäischen Kunstgeschichte. Dreierlei wirkt hier also zusammen: Natur, Technik und Kunst. Die Natur bietet die Grundlage. Die künstlich angelegten Kanäle und die technischen Bauten machen den Hauptanteil am Wassermanagement-System aus.“

Dank dem Einfallsreichtum von Augsburgs Gelehrten und Ingenieuren konnte das Wasser von Lech, Wertach, Singold und Brunnenbach so umgeleitet werden, dass es die ganze Stadt erreichte . Augsburg war damit Vorreiter in Europa. Wie ein Aderngeflecht durchströmen fast 190 Kilometer Lechkanäle die Stadt noch heute, bevor sie am Zusammenfluss von Lech und Wertach wieder in den Ursprungsfluss münden.

Der Weg des Wassers durch die Stadt

Eine wichtige Rolle kommt dabei dem Hochablass zu. Er gilt als bedeutendster Anstich des Lechs. Seit 1346 ist schriftlich belegt, dass von dort Lech-, also Brauchwasser, in die Kanalsysteme geleitet wurde. Über die Wassertürme am Roten Tor aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, in denen sich technisch ausgeklügelte Pumpwerke befanden, wurde hingegen Trinkwasser mit dem notwendigen Druck in Holzrohren zu den Bürgerinnen und Bürgern in die höher gelegene Oberstadt geleitet. Die Pumpwerke wurden zunächst durch Wasserräder und später über Turbinen angetrieben.

Von den drei Wassertürmen am Roten Tor speiste einer ausschließlich die Monumentalbrunnen in der Maximilianstraße und am Rathausplatz. Das war zur damaligen Zeit Luxus pur! Die so demonstrierte symbolische Überhöhung des Wassersystems zeigt, welch herausragende Bedeutung es für die Stadt hatte. Ebenso die Stadtmetzg, die Stadtbaumeister Elias Holl bereits 1609 als wassergekühlte Metzgerei konzipierte. Er errichtete den Bau über einem Lechkanal, der sowohl für die Fleischkühlung als auch für einen schnellen Abtransport der Fleischabfälle sorgte und vorbildlich in Sachen Hygiene war.

Rolle des Augsburger Stadtwalds

Wasser war das Erdöl des Mittelalters. In Augsburg existiert eines der wenigen erhaltenen Systeme, die die Entwicklung der städtischen Wasserversorgung vom Mittelalter bis heute dokumentieren. An herausragender Stelle steht dabei der Augsburger Stadtwald, der die Stadt seit mindestens 600 Jahren mit Trinkwasser versorgt. Das Gebiet ist 22,5 Quadratkilometer groß.

Einen wichtigen Punkt im Stadtwald markiert der sogenannte Galgenablass, wo sich der mit Quellwasser gespeiste Brunnenbach und der mit Lechwasser gespeiste Grenzgraben kreuzen. Der Galgenablass steht exemplarisch für die Trennung von Trink- und Brauchwasser. Über das Aquädukt am Roten Tor liefen mindestens seit dem 16. Jahrhundert Lech- und Quellwasser - durch eine Spundwand strikt voneinander getrennt - in die Stadt. Eine Sensation! Denn nur durch sauberes Trinkwasser herrschten einigermaßen hygienische Verhältnisse in der Stadt, wodurch etwa Seuchen eingedämmt werden konnten. Nirgends sonst gab es die Trennung von Trink- und Brauchwasser für eine Kommune zeitlich so früh. Dass Augsburg überdies ein eigenes städtisches Trinkwasserschutzgebiet besitzt, ist bis heute ein Alleinstellungsmerkmal unter den bayerischen Großstädten.

Dr. Christoph Bellot: „Die hoch entwickelte Technik der Wassertürme und das weitverzweigte Leitungsnetz versorgten schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts 50 öffentliche Brunnen und mehr als 600 Hausanschlüsse mit Trinkwasser. Im 19. Jahrhundert, als der Verbrauch stark anstieg. War es Ziel, jede Wohnung in der Stadt mit einem eigenen Anschluss auszustatten; dazu stellte man die Wassergewinnung völlig um. Das absolut einwandfreie Grundwasser des Stadtwalds wurde unterirdisch in Tiefbrunnen gesammelt; für seine Beförderung baute man 1879 ein neues Wasserwerk im Wald am Hochablass und pumpte über dieses das Trinkwasser in die Stadt. Das Wasserwerk ersetzte alle bisherigen und übernahm die zentrale Versorgung für das gesamte Stadtgebiet. Mit den hierfür neu erfundenen Druckwindkesseln löste es die Technologie der alten Türme ab.“

Zentrum für Maschinen- und Turbinenbau dank Wasserkraft

Gerade an Wasser- und Brunnenwerken kamen über die Jahrhunderte große technische Entwicklungen zum Einsatz. Seien es Archimedische Schrauben, Kolbenpumpen oder Turbinen. In der Modellkammer des Maximilianmuseums sind die bedeutendsten technischen Innovationen des Brunnenmeisters Caspar Walter (1701 bis 1769) zu bestaunen.

Mit der Nutzung der Wasserkraft beginnt Augsburgs wirtschaftlicher Aufstieg zur berühmten Handels- und späteren Papier- und Textilmetropole. Waren es zuvor Wasserräder, Mühlen und Pumpwerke, die auch die Wirtschaftskraft ankurbelten, wurden diese später von Kraftwerken abgelöst. Daher sind auch zehn bedeutende Kraftwerke sowie das Hochablass-Lechwehr Bestandteil der Bewerbung. Seit 1840 sorgten Turbinen für Energie und für den Aufstieg Augsburgs zum Zentrum für Maschinen- und Turbinenbau.

Ursprung der modernen Wasserversorgung

Mit dem Bau des Wasserwerks am Hochablass wurde der Grundstein für eine moderne zentrale Trinkwasserversorgung gelegt. Der anspruchsvolle Bau ist ein einmaliges Denkmal der Industriekultur. Das Wasserwerk ging 1879 in Betrieb und stellt den Ursprung der heutigen modernen Wasserversorgung dar.

Die Wasserkraftwerke bilden die technische Entwicklung der Augsburger Energiegewinnung durch Wasser in drei Schritten ab: Vom Wasserwerk zur Wasserturbine und zum Turbinengenerator. Erst dienten die Kraftwerke zum Direktantrieb der Webstühle, Mühlen und Spinnmaschinen. Dann dienten die Turbinen der Stromerzeugung für die Fabriken. Danach erzeugten sie Strom für die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung. Diese Kraftwerke blieben alle erhalten.

Wasserkraftwerke, wie etwa in Gersthofen, Langweid und Meitingen markierten den Beginn der Stromversorgung in Bayerisch Schwaben.

Sonderrolle: Der Eiskanal

Zur Geschichte des Wassermanagement-Systems gehört auch der Eiskanal am Hochablass, der ursprünglich die Stadt von Treibeis freihalten sollte. Er wurde für die Olympischen Spiele 1972 zur ersten künstlich angelegten Wildwasserstrecke der Welt umgebaut. Heute befindet sich am Eiskanal das Bundesleistungszentrum für Kanuslalom und Wildwasser. 2022 wird in Augsburg, 50 Jahre nach den Olympischen Spielen, die Kanuslalom-WM ausgetragen.

Augustus – Merkur – Herkules: Die Monumentalbrunnen

Welchen Stellenwert die Wassernutzung in Augsburg hatte, zeigt die anspruchsvolle Gestaltung der Wassertürme am Roten Tor, zahlreicher Kraftwerke und des neuen Wasserwerks am Hochablass von 1879 – einem klassizistischen Schlossbau.

An erster Stelle stehen jedoch die drei Monumentalbrunnen im Zentrum der Stadt. Sie sind Kunstwerke von internationalem Rang und bilden die repräsentativ-künstlerische Seite des Wassermanagement-Systems. Allein Lage, Größe und Gestaltung in der teuren Bronzeguss-Technik ist eine einzigartige symbolische Selbstdarstellung der Stadt.

Zwischen 1590 und 1602 wurden die Brunnen von den beiden in Florenz ausgebildeten niederländischen Bildhauern Hubert Gerhard (Augustusbrunnen) und Adriaen de Vries geschaffen. Entscheidend ist auch: Diese Kunstwerke waren keine Aufträge von Fürsten, sondern von den Bürgern der Stadt, die damit ihren historisch-wirtschaftlich-politischen Rang markierte.

Foto: © Stadt Augsburg / Ruth Plössel, Kraftwerk Langweid Augsburg

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