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Unternehmensinsolvenz: Schutz unter dem Schirm

SchutzschirmverfahrenBerlin - Nur ein Bruchteil der deutschen Unternehmen nutzt die Möglichkeiten des Schutzschirmverfahrens, das Unternehmern vor der Insolvenz die Chance gibt, einen Sanierungsversuch zu starten . Selbst wenn das Schutzschirmverfahren, das vor mehr als einem Jahr in der Bundesrepublik eingeführt wurde, in der Insolvenz endet, bietet es viele Vorteile und Möglichkeiten.

Zeit ist Geld

Sind wirtschaftliche Schwierigkeiten erst eingetreten, die Kreditmöglichkeiten und Geldmittel erschöpft, heißt es für ein Unternehmen schnell zu handeln und entsprechende Maßnahmen zu setzen. Begibt sich ein Unternehmen in einer derartigen Situation unter den Schutzschirm, ist es geschützt vor Zwangsvollstreckungen und Insolvenzanträgen durch Dritte. Gemeinsam wird versucht, die Liquidität wieder herzustellen . Alle Zahlungen außer den zukünftigen Betriebskosten werden eingestellt, auch die Personalkosten. Durch die Maßnahmen kann das Unternehmen erst einmal durchatmen und gewinnt Zeit, die es zur Stabilisierung nutzen kann. Ob ein Unternehmen das Schutzschirmverfahren beanspruchen darf, entscheidet ein Gericht. Voraussetzung ist die Machbarkeit der Sanierbarkeit, die geprüft wird. Je nachdem ob das Unternehmen seiner Zahlungspflicht noch nachkommen oder nicht mehr nachkommen darf, wird ihm das große oder das kleine Schutzschirmverfahren zuerkannt. Ein Sanierungsberater steht dem Unternehmen zur Seite. Wird nach Ablauf der Frist dennoch Insolvenz angemeldet, wird kein externer Insolvenzberater berufen, sondern das Unternehmen kann die Geschäfte in Eigenverwaltung weiterführen.

Suhrkamp war unter dem Schirm

Im Mai 2013 suchte der Suhrkamp Verlag Schutz unter dem Schirm , doch drei Monate später wurde in Berlin-Charlottenburg das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Schutzschirmverfahren brachte dem Verlag dennoch viele Vorteile. Der Sachwalter Rolf Rattunde sieht in seinem Insolvenzplan die Umwandlung der Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft vor. Auf diese Weise soll der Streit der Gesellschafter beigelegt werden, der maßgeblich für die wirtschaftliche Situation von Suhrkamp verantwortlich war. Die Verlagssprecherin äußerte sich hoffnungsvoll: „Durch die Änderung der Rechtsform wird der Insolvenz auslösende Gesellschafterstreit das operative Geschäft des Verlags nicht länger beeinträchtigen können.“ Auch soll der Inselverlag Tochtergesellschaft von Suhrkamp werden. Das vorangegangene Schutzschirmverfahren und das nachfolgende Insolvenzverfahren sind für Suhrkamp die einzige Möglichkeit, den bedeutenden Verlag weiterführen zu können. Auch der Fernsehhersteller Loewe nahm im Juli 2012 das Schutzschirmverfahren in Anspruch. Er hofft jetzt mit seinem Sanierungsberater einen Investor zu finden, um sein weiteres Bestehen sichern zu können. Für Maschinenbauer Centrotherm wurde zwar das Insolvenzverfahren im Juni 2013 eröffnet, aber wieder eingestellt. Die Sanierungsbestrebungen unter dem Schirm laufen für ihn auf Hochtouren. Solarwatt unternahm unter dem Schirm einen Schuldenschnitt, das Grundkapital wurde gleich Null gesetzt. Ein Gesellschafterdarlehen des BMW-Erben Stefan Quandt rettete den Fortbestand des Unternehmens.

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