NewsRessourcen - Nachrichten zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Wenn der Landwirt seinen Hof verlässt

Immer mehr Landwirte verlassen ihre Höfe und damit sinkt die Zahl der Bauernhöfe. Aber dennoch sprechen Experten noch immer von einer „gesunden mittelständischen Struktur“.

Der Strukturwandel zieht sich weiter fort

In den letzten 50 Jahren hat sich die Landwirtschaft grundsätzlich verändert. Viel weniger Landwirte sind für die Versorgung von immer mehr Menschen zuständig. Nach dem 2. Weltkrieg hatte der wirtschaftliche Aufschwung die Abwanderung vieler bäuerlicher Arbeitskräfte zur Folge. Gegenüber dem „Boden“ und dem eingesetzten „Kapital“ wurde die „Arbeit“ immer teurer. Die Folge war, dass die Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt wurden und körperlich anstrengende Arbeiten wurden durch technische Hilfsmittel erleichtert. Dadurch kam es zu einer intensiven Mechanisierung in der Landwirtschaft. Doch umgekehrt stiegen die Anforderungen an die Bauern, denn sie mussten immer mehr Managementfähigkeiten aufweisen. Im Laufe der Zeit war es einem einzelnen Landwirt möglich, immer mehr Boden zu bewirtschaften und mehr Tiere zu halten. Dabei stieg die landwirtschaftlich genutzte Fläche je Betrieb an, während die Anzahl der Beschäftigten und der Betriebe sank.

Gab es vor rund 40 Jahren noch über 900.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland, so hat sich die Zahl bis 2017 um über 630.000 verringert und vor allem die Anzahl der tierhaltenden Betriebe hat sich von 2014 bis 2017 stark reduziert.

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft setzt sich zwar weiter fort, hat sich aber etwas verlangsamt. So waren es laut dem Statistischen Bundesamt Destatis zwischen 2013 und 2016 „nur“ rund 3% (ca. 9.000 Betriebe) im Gegensatz zu einem deutlichen Rückgang von rund 5% (ca. 14.000 Betrieben) zwischen der Agrarstrukturerhebung 2010 und der Landwirtschaftszählung 2013

Südwestfalen: das Sterben der Bauernhöfe geht weiter

Ein Beispiel ist in Südwestfalen zu finden. Dort geht das Sterben der Bauernhöfe weiter, wie durch die aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes aufgezeigt wurde. So gab es in den Kreisen Soest, Olpe, Siegen-Wittgenstein, Ennepe-Ruhr, Hagen und dem Märkischen Kreis in 2010 noch 5.150 landwirtschaftliche Betriebe. Im Jahr 2016 waren es noch 4.782.

Auffällig ist jedoch, dass die Höfe, die „überleben“ weiter wachsen. Sie nutzen immer größere Flächen. Dies ist eine Entwicklung, die sich mit dem bundesweiten Strukturwandel deckt. Zwei Zahlen belegen wie einschneidend die Entwicklung insgesamt in Nordrhein-Westfalen ist: Zählte die Statistik 1970 noch 168.000 Betriebe, so waren es 2016 weniger als ein Drittel (35.570).

Die Ursachen für das Bauernhofsterben sind vielfältig. Zum einen haben die Landwirte heute mit mehr gesellschaftlichen Gegenwind zu kämpfen als früher. Dies zeigt sich bereits an der immer wieder aufkommenden Diskussion um Gülle und Glyphosat. Dazu kommt, dass viele der kleineren Betriebe nicht mehr in der Lage sind, auf Dauer kostendeckend zu wirtschaften.

Landwirte „spezialisieren“ sich – vornehmlich in der Tierhaltung

Nicht nur immer mehr und moderne Maschinen werden in den Betrieben eingesetzt, die Betriebe spezialisieren sich auch. Das gilt vor allem in der Rinder- und Schweinemast sowie der Hühnerhaltung. Diese sogenannten Veredelungsbetriebe sind hoch technisiert mit einer relativ großen Anzahl von Tieren pro Flächeneinheit.

Doch nicht allein auf die Mechanisierung und die Spezialisierung sind die beachtlichen Produktionszuwächse in den vergangenen 50 Jahren zurückzuführen. Die neuen Saatgutsorten und Dünge- oder Pflanzenschutzmittel sorgen dafür, dass es zu einer Steigerung der Erträge der Nutzpflanzen kommt. Durch Zuchtfortschritte, erhöhten Kraftfuttereinsatz, optimierte Fütterung und Haltung sowie eine intensive Betreuung durch Tierärzte konnten in der Tierproduktion deutliche Leistungssteigerungen erzielt werden. So werden die Tiere in kürzester Zeit auf ihr Schlachtgewicht gemästet, geben mehr Milch oder legen mehr Eier im vergleichbaren Zeitraum. Zugleich hat die Anzahl der Betriebe, die nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus wirtschaften und bspw. auf synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel verzichten, zugenommen.

blank

Landwirte verdienen immer weniger – wir bezahlen immer weniger

In der Landwirtschaft hat die Produktivität ebenso wie in vielen anderen Wirtschaftsbereichen zugenommen. So können immer mehr Menschen von einem Hektar Nutzfläche ernährt werden. Ein Beispiel: Vor rund 100 Jahren lag der Ertrag für einen Hektar Weizen bei gerade einmal 1.850 Kilogramm. Aufgrund der starken Mechanisierung ist es heute einem Landwirt möglich, rund 8.100 Kilogramm zu ernten.

Trotz ihrer produktiveren Arbeitsweise verdienen Landwirte jedoch immer weniger an den Lebensmitteln, die sie produzieren. Der Landwirt erhält heute nur noch rund 23 Cent von einem Euro, den der Verbraucher für Lebensmittel ausgibt. Zum Vergleich: 1950 erhielt der Landwirt noch rund 63 Cent und in den 1970iger waren es noch circa 48 Cent.

Der Anteil der Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel an den gesamten Konsumausgaben nimmt insgesamt seit Jahren ab. Die Verbraucher in Deutschland geben weniger als 14 % der Konsumausgaben für Nahrungsmittel und Getränke aus. 1950 lag der Prozentanteil noch bei 44 %.
Doch das Bild zeigt sich anders, wenn es in verschiedene Produktionssparten aufgeteilt wird. Der Anteil an Nahrungsmittelausgaben bei Milch und Milcherzeugnissen beträgt 42 % und bei Brot und Getreide allgemein nur noch rund 5 %.

Da Landwirte immer weniger verdienen, müssen sie sich irgendwie behelfen, günstiger an Maschinen für die verschiedenen Landwirtschaftssparten zu kommen. Der Markt für gebrauchte Landmaschinen boomt geradezu.

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"