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Kaffeepreis verfällt

KaffeebohnenBerlin – Kaffee stellt das zweiwichtigste Rohprodukt auf dem Weltmarkt dar. Gerade noch Erdöl liegt vor ihm. Die jährliche Produktion beträgt rund 6,6 Millionen Tonnen, zu 85 Prozent in den westlichen Industrieländern genossen, obwohl die Hauptanbaugebiete in Lateinamerika, Afrika und Asien liegen. Von 1962 bis 1989 existierte ein internationales Abkommen zwischen den Produzenten und den Konsumländern, das durch eine genaue Quotenregelung Überproduktion und Preisverfall verhindern sollte. Seit das Abkommen aufgehoben wurde, kann jedes Land beliebige Mengen an Kaffee produzieren.

Kaffeekrise

Waren zunächst Brasilien, Kolumbien und Indonesien die stärksten Kaffeeländer, folgten bald Vietnam, die Elfenbeinküste und andere Länder, was schließlich zu einer Überproduktion führte. Der Kaffeepreis brach 2001 schließlich völlig ein, ein wirtschaftliches Desaster für die Kaffeebauern in den Entwicklungsländern. In Mittelamerika verloren 200.000 Landarbeiter ihre Arbeit und in Äthiopien stand die Hungersnot 2003 in direktem Zusammenhang mit dem Kaffeepreisverfall. 2006 begannen die Preise wieder zu steigen, nicht zuletzt aufgrund einer vermehrten Nachfrage aus den ehemaligen Ostblockstaaten und  den Schwellenländer. Auch in China wurde neben dem Traditionsgetränk Tee Kaffee immer beliebter. Waren zwar inzwischen viele Kaffeebauern verarmt, ließen die höheren Preise neue Plantagen entstehen. Die Folge war eine neuerliche Überproduktion. Seit 2007 soll ein neues Kaffeeabkommen, das von 77 Mitgliedern der Internationalen Kaffeeorganisation abgeschlossen wurde, eine nachhaltige Entwicklung fördern und die Kaffeewirtschaft aufbauen.

Preis auf Tiefstand

Seit 2. November bieten Norma und Aldi das Pfund Kaffee um 20 Cent billiger an, Tchino senkte bereits vorher den Preis, bis zu 50 Cent. Der Grund liegt im Preisverfall von Rohkaffee. Die Internationale Kaffeeorganisation gab kürzlich bekannt, dass der Kaffeepreis gegenwärtig unter dem Durchschnittswert der letzten vier Jahre liegt. Der Korbpreis fiel im September 2013 bereits auf 111,82 US-Cent pro Pfund, das entsprach dem Niveau von 2009. Doch die Talfahrt sollte weitergehen. Im Oktober war das Pfund im Korb nur mehr 99,86 US-Cent wert. 2011 lag der Preis doppelt so hoch. Die Kaffeekrise, deren Ende nicht abzusehen ist, hat jedoch weitreichende soziale, wirtschaftliche und ökologische Folgen. Der Preisverfall zwingt die Kaffeebauern seit Jahren zum sogenannten Sonnenanbau, damit der Ertrag gesteigert werden kann. Wurde früher im Schatten von hohen Bäumen angepflanzt, werden seit Jahren große Flächen von Regenwald gerodet. Der direkte Zusammenhang zwischen Riesenschlägerungen und Kaffeeanbau wurde längst vom WWF bestätigt. Um bei den Preisen, wenn überhaupt wirtschaftlich überleben zu können, müssen die Kaffeebauern mehr produzieren. Ein Mehr bedeutet aber auch eine weitere Überproduktion und einen weiteren Preisverfall. Ein Teufelskreis, der Existenzen und Umwelt gefährdet.

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